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Anni war begeistert vom funkigen Beat Brisbanes, verliebt in den Snowboard-Dude, scheiterte beim Didgeridoo-Lernen und musste ihr Leben in Australien schweren Herzens aber mit vielen Anregungen wieder hinter sich lassen.

Meine liebe Freundin Anni. Sie zieht verrückte Geschichten an, egal wo sie unterwegs ist, irgendwas verrücktes passiert ihr immer. Da sie das Pflichtpraktikum ihres Studiums in Brisbane verbrachte, wollte ich natürlich auch von ihr die besten Australien-Stories hören. Doch das Einzige was ihr einfiel war: „In Australien hab’ ich halt gelebt, ich hatte meinen Alltag, mir fällt da gar keine verrückte Reisegeschichte ein.“ Wie jetzt? Nichts zu deiner Langzeitreise und deinem Leben in Australien? Wir wissen doch, dass das wahre Abenteuer im Ausland aus den Verbindungen zu Menschen, der Dynamik des Alltags und dem Verständnis der fremden Kultur besteht.

Ahh, richtiges Stichwort, da fiel ihr dann doch einiges zu ein:

Annis Leben in Australien

Mein erster Morgen in Brisbane ist unvergesslich. Ich wurde von laut zwitschernden Vögeln geweckt, öffnete die Vorhänge und blickte auf eine riesige Palme. Da wusste ich: oh mein Gott, ich lebe jetzt wirklich in Australien!

Brisbane – Restaurants, kleine süße Cafés, unzählige Kulturangebote und überall Eukalyptus-Bäume mit Koalas. Ein sehnsüchtiger Blick erreichte mich durch das leicht verpixelte Skype-Bild. Anni wohnt zur Zeit in London. London – zu teure Restaurants, viel Regen und kaum Bäume in Sicht. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie sie sich auf die Picknick-Decke unterm Eukalyptus-Baum zurück wünschte. Wie Brisbane die Menschen in den Bann zieht, hat auch »Anja im Interview mit Christine sehr treffend zusammengefasst. Besonders das »„Green Jam“ hat es Anni angetan. Das besteht aus live Jazz Sessions, die im Sommer in Brisbanes Zentrum auf einer großen Wiese abgehalten werden. Mit ausreichend Liegestühlen, Kissen und Decken konnte es sich jeder, der den Jammern lauschen wollte gemütlich machen und seinen Alltag hinter sich lassen. anni_australien_green_jam

Beim Green Jam habe ich auch Garth kennengelernt – Garth, der australische Snowboard-Lehrer und Herzensbrecher.

anni_australien_snowboard_garthSnowboard-Lehrer in Australien? Sonst kennt man nur die „Surfer-Dudes“, wie passt denn da ein Snowboard-Lehrer ins australische Bild? Doch, doch, es gibt sie, die »australischen Alpen, die auch Petra auf einer abenteuerlichen Tour bereits erkundet hat. Sie befinden sich im Süden des Kontinents und liefern im Winter genug Schnee für eine ausgeprägte Snowboard-Szene. Mit Garth hat Anni einiges erlebt – nicht „nur“ die große Liebe. Sie machten Ausflüge zu tropischen Trauminseln in der Nähe von Brisbane für Annis Job, zum Beispiel zur »North Stadbroke Island in der Nähe von Brisbane. Für Garth’s Job ging es nach »Perisher zum Snowboarden„Von den Inseltrips kam ich braungebrannt wieder, vom Snowboard-Trip eher blau-gefleckt.“  Die Vielfalt des Landes und ihr Leben in Australien schienen sich auf Annis Haut widerzuspiegeln.

Der absolute Traumjob?

anni_australien_meer1Den Job eines Snowboard-Lehrers kann sich jeder vorstellen, doch was tat Anni eigentlich und warum führte sie ihr Job zu Trauminseln? Da sie International Tourism Management studierte und immer schon am nachhaltigen Reisen interessiert war, suchte sie ein Pflichtpraktikum genau in diesem Bereich. Sie hatte Glück und fand einen Job bei EC3Global, die heute »EarthCheck heißen. Nach North Stradbroke Island verschlug es sie, weil sie für eine Case Study von »Tourism Queensland verantwortlich war und Betreiber von nachhaltigen Tourismusbetrieben interviewte. Das war allerdings das einzige Mal, dass sie ihr Job zu einer Traumlocation führte. „Die meiste Zeit führte ich Interviews über’s Telefon oder sammelte lediglich Informationen über die Regionen“ Sehr gemein – man ist den ganzen Tag mit paradiesähnlichen Destinationen konfrontiert aber kann selbst nicht hin. Tja, so sieht das Leben auf einer Langzeitreise eben aus. Dafür lebte Anni ja in ihrem eigenen Paradies namens Brisbane.

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Mein Leben in Australien fühlte sich toll an, denn ich hatte unfassbar viel Spaß mit ‚meinem’ Chaotenhaufen!

Einen Großteil des Spaßes in Brisbane, haben Annis Mitbewohner beigesteuert.

anni_australien_mitbewohner

Sie wohnte mit vier Australier/innen, einem Engländer und einer Französin zusammen. Jeder brachte seine eigene Lebensgeschichte mit, nur schafft Anni es immer, die Personen, mit den herausragendsten Lebensläufen zu treffen. Eine Australierin war beispielsweise fester Bestandteil des „König der Löwen“ Tanzensembles. Die andere arbeitete früher beim australischen FBI und setzte sich nun langsam als Lehrerin zur Ruhe. Bei dieser Vielfalt von Charakteren fühlte sich Anni direkt wohl. Es war eben ihre Crazy Australian Family und Anni liebte ihr Leben in Australien mehr und mehr.

Exotischer Charme bei westlichen Verhältnissen

Nichtsdestotrotz musste sich Anni nach einem halben Jahr harter Arbeit aber auch viel Spaß schweren Herzens von ihrer WG und auch ihrer große Liebe verabschiedenSie hatte sich dazu entschlossen die letzten zwei Wochen, die ihr in Australien noch blieben Queensland zu erkunden. Einen ihrer ersten Ausflüge machte sie mit »„On the Wallaby Tours“. Gute Entscheidung – sehr gute Entscheidung! Erstmal sei erwähnt, dass der tropische Norden von Queensland einmalig ist. Auch Christine sieht das so und hat Queenslands Schönheit in einem »Video festgehalten. Hier zeigt sich der Kontinent von seiner subtropischen Seite. Man befindet sich in einem Land, dass von der Infrastruktur und vom Lebensstil westlicher nicht sein könnte, trotzdem steht man plötzlich im größten Regenwald, den man je zu Gesicht bekommen hat. Gefühlte 99% Luftfeuchtigkeit, Wolkenkratzer in Form von Bäumen statt Gebäuden, Palmfarne, Gummi- und Eukalyptusbäume und das ganze nur einen Känguru-Sprung von der Großstadt  entfernt. Es erscheint unwirklich.

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Vom ‚Pain in the Ass‘ und was das den Haien brachte

Ihr absolut genialer Tourguide Cindy hatte die Fähigkeit ihren Reisenden ein Gefühl für die historische Vergangenheit der Gegend zu vermitteln….auf etwas andere Weise. Sie erzählte von James Cook und seinen Männern, die im 18. Jahrhundert die Ostküste Australiens entdeckten. Sie streiften durch den Dschungel und untersuchten Flora und Fauna. Dass es keine Annehmlichkeiten wie Toiletten oder Toilettenpapier gab versteht sich von selbst. Somit erleichterten sich die Männer hinter den australischen Büschen.

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Cindy, die Geschichtenerzählerin

Als Toilettenpapier mussten Blätter herhalten – je größer desto besser. Dumm nur, dass die größten Blätter ausgerechnet die schmerzhafteste Pflanze der Welt lieferte. Harmlos aussehend, reagiert die Pflanze auf der Haut wie die uns bekannte Brennnessel, nur etwas extremer. Das brennende Gefühl lässt erst nach einem Jahr langsam wieder nach! Zusätzlich ärgerlich ist die Tatsache, dass das Ausmaß der Reaktion mit der Körpertemperatur an besagter Hautstelle zusammenhängt. Wir erinnern uns als was die Blätter genutzt wurden…

Tja, James Cook’s Crew hatte somit mit sehr viel „Pain in the Ass“ zu kämpfen. Blöderweise, war die Pflanze bis dato komplett unbekannt, niemand wusste also wann und ob das höllische Brennen aufhören wird. Es ist tatsächlich so, dass diese schicksalhafte Begegnung einigen Männern das Leben kostete. Sie warfen sich lieber den Haien zum Fraß vor als das höllische Brennen im Hintern weiter ertragen zu müssen. Geschichten, die das Leben schreibt.

Partytouristen vs. Traveller

Da Anni von Cairns zurück nach Holland fliegen wollte, um ihr Studium zu beenden, nahm sie sich noch ein paar Tage Zeit, die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. Hierzu hatte sie bereits am Anfang ihrer Reise ein Hostel in Cairns vor gebucht. Nicht irgendein Hostel sondern DAS Hostel der Stadt: „Angesagt, hip, coolste Unterkunft ever.“ So die Beschreibungen, die sie von mehreren Backpackern bekam. Das wollte sie sich nicht entgehen lassen und sicherte sich eines der heißbegehrten Betten. „Widerlich, laut, beschissenste Unterkunft ever.“ So hörte sich Anni’s realistisches Fazit an. Von Menschen, die es in einem 8er-Dorm nicht für nötigt hielten Hosen zu tragen – nein, auch keine Unterhosen, über zugedröhnte Teenager, die die Toilette von der Dusche nicht mehr unterscheiden konnten bis hin zu Paaren, die stundenlang das Gemeinschaftsbad belegten weil sie so voll sind, dass sie sich gegenseitig beim entleeren der Blase helfen müssen. Das und mehr erwartete Anni im »Giligan’s dem „angesagtesten“ Hostel der Stadt.

Ein ‚Dorf der Ureinwohner‘ ohne indigene Bevölkerung – das hat mich echt traurig gemacht!

Mit einer netten Schottin, die von der Partykultur des Hostels ebenso wenig hielt wie Anni, machte sie einige Ausflüge. Anni zieht es immer wieder zu ihm, dem grünen Giganten, der magischen Seele der Natur. Der Regenwald. Die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass einem Schweißperlen den Rücken herunter laufen. Die Geräusche der Natur lauter als man sie sich jemals hätte vorstellen können. Krabbel- und Flugtierchen unter, über und auf einem. Es ist faszinierend. An einem ihrer letzten Tage in Australien macht sie sich auf den Weg nach »Kuranda. Der Railway Express lässt sie langsam in die Welt des tropischen Waldes eintauchen.

anni_australien_digeridoo

Die Endstation sollte ein Regenwald-Dorf mit vielen Spuren der Ureinwohner Australiens sein – außer ihren temporären Didgeridoo Lehrer konnten sie allerdings keine Aboriginal People entdecken. Dieser beherrschte sein Instrument allerdings extrem gut – was man von Anni nicht gerade behaupten konnte. Während es bei ihm so schien, als wäre es das einfachste auf der Welt dem Didgeridoo die typisch australische Klänge zu entlocken, fiel es Anni schwer aus dem langen Rohr überhaupt ein Fiepen herauszuholen. „Es ist eben die Kunst der Ureinwohner vielleicht sollte wenigstens das einfach so bleiben.“

Wenn man in Australien unterwegs ist, muss man sich mit der traurigen Geschichte der indigenen Bevölkerung leider abfinden. Bevor der „weiße Mann“ seinen ersten Schritt auf diesem Kontinent machte, hatten die Eingeborenen ein extrem anderes Leben. Die Weißen brachten die westliche Zivilisation nach Australien, mit der die Ureinwohner nichts anfangen konnten. Mit dieser Art zu leben kommen viele bis heute nicht klar, was dazu führt, dass sie mit Alkohol und Drogen in ihre eigene Welt fliehen. So kann es passieren, das selbst ein Ort, der als ‚Ort der Ureinwohner‘ vermarktet wird, kaum authentische Spuren der Eingeborenen enthält.

Hoch über den Baumwipfeln habe ich mich so frei gefühlt. Ich habe die letzten Monate Revue passieren lassen und war so dankbar ein halbes Jahr lang Teil dieses wunderbaren Landes gewesen zu sein.

anni_australien_bat_reachEs ist allerdings so, dass die weißen Australier durchaus wissen, wie sie Reisende beeindrucken können. Andere Reisende kuscheln mit süßen, flauschigen Koala-Bären, Anni schaut sich lieber Klein-Batman aus nächster Nähe an. Im »BatReach, eine Aufzuchtstation für Fledermäuse und Flughunde kann man auf Tuchfühlung mit den spannenden Wesen gehen.

Nach ersten, erworbenen Didgeridoo-Kenntnissen, dem Treffen von Klein-Batman und einer kleinen Wanderung durch und um das Dorf im Regenwald, wurde es Zeit sich wieder auf den Heimweg zu begeben. Diesmal allerdings nicht, wie auf dem Hinweg mit dem Zug sondern mit einer Gondel. Diese flog sie hoch über die Baumwipfel, zurück nach Cairns. „Ich hätte mir keinen schöneren, malerischen Abschied vorstellen können.“ 

Annis Anregungen für Australien-Newbies

…erwartet nicht von jeder australischen Stadt architektonische Wunder und historische Highlights. Viele sehen die Schönheit Brisbanes nicht, ich sehe sie durch ihre Bewohner, ihre Events und die kleinen Dinge (oder die flauschigen Wesen, die in den Bäumen hängen).

…bevor ihr auf andere Reisende hört und aufgrund derer Geschichten Trips oder Unterkünfte bucht, checkt erst ob eure Absichten ähnlich sind. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: bucht niemals Unterkünfte vor!! Entscheidet euch erst vor Ort, wenn ihr die Unterkunft selbst gesehen habt. Und bitte bucht niemals das »Gilligan’s

…setzt euch in irgendeiner Art und Weise mit der Geschichte der Ureinwohner Australiens auseinander. Sie sind hauptsächlich als Aborigines bekannt, viele wissen aber gar nicht, dass die Ureinwohner selbst diesen Ausdruckt als abwertend empfinden. 

…seid nicht zu geschockt, wenn ihr Werbeplakate wie dieses lest: „Even Islanders, Women and Aboriginies can apply!“ Mir stockte fast der Atem als ich das gesehen habe aber leider ist es so, dass einige Australier (selbstverständlich nicht alle) teilweise rassistische Ansichten haben.

2017-08-08T12:17:46+00:00

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