Kühe, Pferde, Kinder – darum dreht sich unser neues Leben. 18km² nennt unser Arbeitgeber sein eigen. Was wir da so machen? Mit dem Quad über die Ländereien heizen und die neu geborenen Kälbchen bewundern, unser erstes Pferderennen erleben und das Farmleben genießen. Na gut, ein bisschen müssen wir auch arbeiten…

Lebensstil

Manchmal wundere ich mich, dass die Erde wirklich nur ein einziger Planet ist.

Wie kann es sein, dass ein armer kambodschanischer Bauer, der den ganzen Tag im Mekong fischen gehen muss um seine Familie zu ernähren, auf dem gleichen Planet lebt wie Milliardäre, die sich gerade das 50. Auto kaufen?

Wie kann es sein, dass ich noch vor vier Monaten mein hektisches Stadtleben mit 9-to-5 Bürojob geführt habe und jetzt im alten Jeep über 18km² Gelände fahre, Wasserpumpen checke und nebenbei über Graswirtschaft und Erosion lerne?

Ich vor meinem Farmleben in Australien

Assistentin Christina war stets zu Diensten

  • Beschäftigte Assistentin quetscht sich durch das Berliner U-Bahn Netzwerk.

  • Verwunderte Reisende fragt sich, wann sie das nächste Auto sichten wird.

  • Assistentin beantwortet den 50. Anruf des Tages und verdreht genervt die Augen.

  • Reisende versucht das Wettsystem des lokalen Pferderennens zu verstehen.

  • Assistentin stresst sich, da sie die Termine der Chefin heute nicht mehr unter einen Hut bekommt.

  • Reisende stresst sich, ob sie alle Tiere annehmbar versorgt hat, während sie 3 Tage allein auf der Farm ist.

  • Assistentin versucht sich, alle Namen der Vorstandsmitglieder zu merken.

  • Reisende versucht herauszufinden, ob jedes Kälbchen von einer dazugehörigen Mutter versorgt wird.

  • Berliner Geschäftsleute diskutieren ob das nächste Meeting als World-Café Methode oder Open-Space-Konferenz organisiert werden soll.

  • Australische Farmer diskutieren ob der nächste Bullenkauf einen Brahman Bull oder ein Longhorn beinhalten sollte.

Der Kontrast zwischen meinem Leben in Deutschland und meinem Farmleben in Australien ist enorm. Zuhause dreht sich alles um die nächsten großen Meetings und der Wochenendplanung. Hier dreht ich alles um Pferdemist und das nächste Rennen.

 

Dankbar

Meine Verwunderung über die Gegensätze und unterschiedlichen Lebensweisen, die sich auf nur einem einzigen Planeten vereinen kann nur dadurch entstehen, dass ich diese Unterschiede sehen und miterleben durfte und darf.

Farmleben im Outback

Dafür bin ich unendlich dankbar. Ich freue mich über mein Gedankenkarussell und darüber, dass ich in der Lage bin Lebensstile zu vergleichen. Robert bewundert meinen Mut zu reisen und meine Neugier die Welt kennenzulernen. Er ist Experte auf seinem Gebiet und hat sein Leben dem Vieh und den Rennpferden gewidmet. Ich bin auf keinem Gebiet eine richtige Expertin, dafür erweitere ich meinen Horizont mit jeder Reise.

Eine Investition ins Reisen ist eine Investition in dich selbst. (Matthew Karsten)

Farmleben in Australien

Im Video bekommt ihr ein paar Einblicke in mein Leben hier. Die Zeit fliegt einfach, man ist den ganzen Tag auf den Beinen und an der frischen Luft. Abends kann ich oft um 20 Uhr meine Augen kaum noch offen halten. Es ist faszinierend, die Kuhherde jede Woche wachsen zu sehen und die neugeborenen Kälbchen zu bewundern. Es ist interessant zu sehen, wie die Pferde auf das nächste Rennen vorbereitet werden. Es ist spannend zu beobachten, wie anders die Kids hier aufwachsen und wie die Eltern versuchen Menschen und Ereignisse neben ihrem Farmleben auch noch unter einen Hut zu bekommen.

Auf der Farm

Die ersten vier Wochen habe ich Haushalt und Farm gemeinsam mit Farmer Robert allein geschmissen, da Sally auf einem wichtigen Dressur-Wettkampf in Sydney war. Kaum war sie eine Woche zurück, musste Robert die Farm verlassen, da sein kleiner Bruder im sterben lag. Mittlerweile ist er leider gestorben und Robert versucht seiner Familie beizustehen. Sally und ich halten derweil auf der Farm die Stellung.

Farmleben in Australien

Das Farmleben ist ein hartes Leben, welches viel körperliche Arbeit beinhaltet. Ich bin so froh, einen so guten Einblick in dieses Leben bekommen zu können. Könnte ich es mir für mich selbst vorstellen? Ich glaube nicht! Andersherum kann ich mir auch nicht vorstellen, für den Rest meines Lebens im Büro zu sitzen. Schwierig, schwierig….

Race Meeting

COME ON CRACOW!!!!!!!!!! Den ganzen Nachmittag beobachten wir schon das Geschehen des örtlichen Race Meetings in Charters Towers. Alle haben sich heraus geputzt, vor allem die Mädels. Ich fühle mich hoffnungslos underdressed.

Race Meeting Charters Towers

Für die Stadt ist es das größte Rennen des Jahres, welches im letzten Jahr von unserem Pferd Cracow gewonnen wurde. Nun gilt es den Titel zu verteidigen. Während Jockeys und Pferde sich vorbereiten, ruft Robert uns nach oben in die Trainer Lounge. Von dort haben wir einen guten Überblick der Rennbahn.

Auf der Rennbahn

Da stehen wir, mittendrin im hysterischen Angefeuere von Robert sowie Cracows Besitzern (ein Pferd hat meist ca. 10 Besitzer, die sich Kosten aber auch Gewinn teilen). FU**!!! Es wird geflucht, es sieht so aus, als hätte Cracow den Sieg um eine Haaresbreite verpasst.

Aber Moment: die Richter rufen beide Parteien zu sich.

HE DID IT!!!! Der andere Jockey hat sich zu früh gefreut. Er hat kurz vor der Ziellinie bereits gejubelt und so sein Pferd zurück gehalten. Das war der entscheidende cm, der Cracow zum Sieg verholfen hat. So knapp, so spannend – ein tolles Erlebnis!

Rennen

Notfall

Da ich in den letzten Wochen nicht mehr ganz Up to Date war, bekommt ihr jetzt mal einen richtigen Live-Bericht! Ich wollte gerade eine Pause vom Schreiben machen und die Pferde füttern gehen. Da finde ich Dusty (den jüngsten von allen) völlig fertig und blutverschmiert im Stall. Sein Futtereimer liegt auf dem Boden. Er schwankt und scheint sich nicht auf den Beinen halten zu können.

Panik!

Das einzige was ich mir vorstellen kann ist, dass sich das elastische Band, was den Futternapf hält gelöst hat und er es ins Gesicht bekommen hat. Danach muss er ausgerastet sein, denn er hat Schrammen am Kopf und an den Beinen. Allerdings liegt auch eine Satteldecke inmitten seines Stalls. Wo zur Hölle hat er die her bekommen??

Ist es meine Schuld???

Ich habe alles gemacht wie immer, warum sollte sich das Band plötzlich lösen??? Was mach’ ich nur?! Die Familie ist auf einer Beerdigung in Townsville – aber ich muss es ihnen schreiben, ich kann dieses Pferd jetzt nicht so stehen lassen. Natürlich bekomme ich erstmal keine Antwort. Gott sei Dank kam gerade gestern eine Sendung des Tierarztes, vielleicht finde ich da eine Telefonnummer. Tatsächlich! Ich rufe an. Ich soll Fotos schicken. Sie ruft zurück – es sieht nicht gut aus. Ich soll ihm eine bestimmte Paste geben. Das kriege ich gerade noch hin. Mehr kann ich nicht tun sagt sie. Das ist wenig hilfreich aber zum Glück meldet Sally sich zurück. Sie haben offensichtlich noch einen anderen Tierarzt und der wäre bereits auf dem Weg.

It doesn’t look good!

Hartes Farmleben

Das habe ich eben am Telefon schon gehört. Der junge Tierarzt gibt ihm eine andere Spritze und ruft Sally an. „It doesn’t look good Sally!“ Ich raste innerlich aus. Der Tierarzt holt die X-Ray Maschine um sich ein Bild von Dustys Kopf zu machen. Warten, warten, warten. Mein ruhiger Tag allein auf der Farm wird zum Horror!

Dustys Kopf ist geschwollen und er kann nicht richtig stehen, geschweige denn gehen. Ihr könnt euch selbst ausmalen, was das für ein angehendes Rennpferd bedeutet. Oh mein Gott!!!

Kein gutes Ende

Dusty wurde eingeschläfert! Man war sich zwar nicht sicher, ob er wirklich einen Riss im Schädel hat, so oder so würde er nie mehr fit genug sein um ein Rennpferd zu werden. Die Besitzer haben sich abgesprochen, die Entscheidung wurde getroffen und gerade hat der Tierarzt die Spritze gesetzt. Ich bin herein gegangen, das kann ich mir einfach nicht mit ansehen.

Farmleben in Australien

Dusty beim Versuch mich anzuknabbern

Ich fühle mich niedergeschmettert und kann es einfach nicht glauben, dass mich morgen kein verrückter Dusty im Stall erwartet, der versucht mein Shirt anzuknabbern!

Liebe Grüße von eurer niedergeschlagenen Christina

»Ich bin Christina 

Schön, dass ihr mit mir nach Australien reist! Erlebt Down Under, seine Bewohner und ihre Geschichten durch meinen Blog. Profitiert vom Erfahrungswert meiner Australien-Experten und taucht ein, in die Schönheit des Roten Kontinents. 

2018-01-23T12:53:04+00:00

7 Comments

  1. Marie 19. November 2016 at 22:41 - Reply

    Hallo Christina,

    mein Beileid! Ich kann das Gefühl ganz gut nachvollziehen. Gerade bin ich auf einer Schaf- und Ziegenfarm in Panama und während ich noch am Dienstag eine Geburt sehen konnte, lag vorgestern eines der Schafe tot in seinem Stall. Dieses war schon eine ganze Weile krank und wurde liebevoll umsorgt. Umso schmerzvoller ist das natürlich, wenn es so plötzlich passiert.

    Aber auch das gehört zu einem Leben auf der Farm dazu. Ich hoffe du kannst deinen weiteren Aufenthalt trotzalledem noch genießen und lernst noch viele weitere tolle Sachen!

    Liebe Grüße aus nem Kaff in Panama
    Marie

    • On Brink 21. November 2016 at 5:04 - Reply

      Hallo Marie,

      danke für deine lieben Worte! Absolut, es gehört einfach zum Farmleben dazu aber es ist schwer, das zu akzeptieren. Ja, es wird wohl noch ein bisschen dauern, die Ereignisse aus meinem Kopf zu bekommen aber das wird schon noch.

      Das tote Schäfchen ist ja auch traurig 🙁

      Hab‘ du auch noch eine tolle Zeit in Panama und ich hoffe, uns bleiben tote Tiere zukünftig erstmal erspart.

      Viele Grüße aus dem Outback
      Christina

  2. Henry 25. November 2016 at 15:13 - Reply

    Ihr Lieben, bin tief beeindruckt, von Euren so schönen Erfahrungen und den so schönen Momenten….Freude pur… genießt weiterhin…

    und es tut mir so leid, dass ein so schönes Pferd für immer einschlafen musste…nicht traurig sein, in der Tat gehört so was auch dazu, mach Dir also keine Vorwürfe Christina! Und pfiffig reagiert!

    Respekt Chrissi, wie Du die Kinder im Schwimmwettkampf besiegt hast…aller Ehren wert…fotografier mal bitte die Siegerurkunde!!!!

    Rinderdiebstahl ist dort möglich? Kann ich mir kaum vorstellen…wie viele Stunden müsst Ihr arbeiten? Wie weit ist es zur nächsten Stadt?
    So, warte auf den nächsten Blog…geht’s schon los?
    Happy time aus dem bewölkten Berlin
    Heute gehe ich zum Weihnachtsmarkt! Gibt es dort Weihnachtsstimmung, -märkte und -bäume? Hihiii…

    • On Brink 28. November 2016 at 4:32 - Reply

      Halli Hallooo,

      danke lieber Henry, Gott sei Dank machen mir die Farmer auch keine Vorwürfe. Trotzdem war es ein sehr schlimmes Gefühl! Mittlerweile ist der Schock einigermaßen überwunden und wir freuen uns wieder über gewonnen Schwimm-Wettkämpfe. Dein Sohn ist mächtig stolz 7 und 9-jährige Kids zu besiegen 😛

      Es gibt keine festen Stundenzahl, es liegt immer ganz am Tag, manchmal arbeiten wir mehr, manchmal weniger. Innerhalb von 30 Minuten sind wir in der nächsten Stadt, die ca. 8000 Einwohner hat – wir sind also nicht ganz isoliert.

      Nächste Woche gibt es wieder einen frischen Bericht, diese Woche kommt erstmal etwas außer der Reihe.

      Viel Spaß beim Glühwein trinken – wir haben nur verwirrte Blicke bekommen, als wir erzählt haben dass die Deutschen in der Weihnachtszeit heißen Wein trinken 😀 Weihnachtsstimmung hält sich bei 40 Grad sonst in Grenzen – Chris nennt unser Wohnzimmer allerdings Christmas Wonderland. Fotos folgen bald.

      Knutschis aus der Hitze

  3. Kuno 24. Dezember 2016 at 11:00 - Reply

    Ein sehr schöner Artikel, der einem sofort das Lebensgefühl auf einer solchen Farm vermittelt. Ich finde es auch gut, dass du sowohl die positiven, als auch die nicht so schönen Ereignisse ansprichst. Auch wenn ich sehr mitgefiebert habe und es gerne gelesen hätte, dass Dutsy wieder auf die Beine kommt… :/

    • On Brink 25. Dezember 2016 at 3:54 - Reply

      Vielen Dank, Vanessa! Ja, ich hätte mir auch ein Happy End gewünscht aber that’s life!

  4. […] Leser mit ins authentische Australien. Kürzlich waren sie quasi „live“ dabei, als ein schlimmer Unfall auf meiner Farm passiert ist. Auch habe ich sie an meinem ersten Pferderennen im […]

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