Es quitscht, knatscht und knarrt. „Rollen wir gleich rückwärts runter?!“ Ich habe das Gefühl, dass die alte Dampflock den nächsten Berg nicht schaffen wird. „Die fahren die Strecke 4x täglich, die schaffen das schon!“ Stimmt auch wieder! Dennoch sind die Geräusche gewöhnungsbedürftig. Ich lehne mich einigermaßen beruhigt wieder ans Fenster und genieße den Ausblick. Die Ende des 19. Jahrhunderts mühsam mit Muskelkraft in die Berge und durch den Dschungel gebauten Gleise haben etwas mystisches an sich. Über Lautsprecher wird uns mitgeteilt, dass viele Männer beim Bau der Gleise entweder durch Unfälle oder durch Krankheiten starben. Gut vorstellbar.

Scenic Railway und bald Zuhause in TownsvilleGleichzeitig mache ich mir bewusst, dass wir gerade mitten durch den Dschungel fahren. Was kreucht und fleucht wohl alles um uns herum? Wir haben die endlos grüne, hügelige Landschaft vom Flugzeug aus gesehen. Ich bin mir nicht sicher ob ich jemals so viele Bäume ohne Unterbrechung irgendeiner Stadt oder zumindest einiger Gebäude gesehen habe. Die Tablelands ziehen sich ein ganzes Stück an der australischen Ostküste entlang und haben eine faszinierende Wirkung auf mich. » Anni hatte uns diesen Ausflug empfohlen und es schien sich zu lohnen! Da die Freshwater Station, von wo der Zug abfährt, nur einige Gehminuten von unserem AirBnB entfernt lag, konnten wir unseren Tagestrip ohne großartige Vorbereitung starten. Annis Variante – Zug hin, Gondel zurück – war uns eindeutig zu teuer. 110$ um über den Baumwipfeln zurück zu fliegen. Wir fanden die 79$ für die Zugfahrt schon teuer aber naja, bevor wir unser neues Zuhause in Townsville beziehen, wollten wir im Norden noch etwas sehen.

Ankunft in Kuranda – erstmal entgegen der Besucherströme laufen! Natürlich sind wir nicht die einzigen, die an einem Samstag auf die Idee kommen nach Kuranda zu fahren. Also, ab in die andere Richtung und siehe da: wir haben den kleinen Dschungel-Pfad ganz für uns allein!

Mein Tipp →

Nie einfach der Menge hinterher laufen - einfach mal die andere Richtung einschlagen!

Glitzerndes Wasser links, riesige Bäume rechts und ganz viele Geräusche rundherum. Links bewegt sich etwas im Wasser. Wir gehen näher ran und finden noch eine Schildkröte, die nicht vom Baumstamm zurück ins Wasser geglitten ist. Chris ist so begeistert, dass er in alle Richtungen guckt und fast in einer riesigen Pfütze landet – es hieße nicht Regenwald, wenn es nicht ab und an regnen würde, also Obacht bei der Dschungelerkundung. Wir haben allerdings einen wunderschönen Tag erwischt und sehen, wie das Sonnenlicht durch die Baumkronen scheint. Es hat fast etwas meditatives. Chris und ich reden immer weniger und lassen den Wald auf uns wirken. Menschen die eine Stunde am Tag in der Natur verbringen, sind sehr viel stressresistenter als alle anderen. Das habe ich vor Kurzem irgendwo gelesen und hier im dichten Dschungel kann ich es gut nachvollziehen!

Kuranda Creek - bald Zuhause in TownsvilleIch höre etwas rauschen! Was kommt jetzt – noch ein Wasserfall? Ich will schon fast los laufen um zu sehen, was hinterm nächsten Baum auf uns wartet aber mich hält ein schwarzer Vogel mit rotem Kopf auf. Vorsichtig heran tasten um zu sehen ob er gefährlich ist – man weiß ja nie hier. Es scheint aber ein eher zurückhaltender Genosse zu sein und hüpft zurück ins Dickicht sobald wir ihm zu nah kamen. Rechts erkenne ich nun schon, wo das plätschern her kommt. Es ist ein Creek (Bach) mit einer kleinen Steinbrücke, die hinüber führt. Das sieht soooo romantisch aus. Am liebsten würde ich ewig hier bleiben – nur Chris, ich, das plätschern des Baches und die Geräusche der Natur. Ein bisschen was wollen wir dann ja aber doch noch von Kuranda an sich sehen, bevor wir den Zug um 15.30 Uhr wieder nehmen müssen.

Busse, Kameras, Kindergeschrei, Gewusel. Neeeee, hier will ich wieder weg! Uns war nicht ganz klar, dass die Märkte nochmal an extra Orten, weg von der Hauptstraße gelegen sind. Das stellen wir erst etwas später fest.

Erkenntnis für Kuranda →

die Hauptstraße ist nicht gleich der Markt. Es gibt noch weitere Märkte!

Den Original Market oder auch gern Hippie Market genannt, konnten wir uns noch in Ruhe anschauen. Süß, wie sich dieses kleine Märktchen an Palmen und sonstigem Grün entlang schlängelt. Die Live-Band im Hintergrund macht die Atmosphäre perfekt.

Das offene Fenster lässt den Fahrtwind durch meine Haare wehen. Chris Kopf liegt auf meiner Schulter – er konnte sich einfach nicht mehr wach halten. Mich lullt die vorbeiziehende Landschaft auch ein und das Ruckeln des Zuges wiegt mich fast in den Schlaf. Aber ich will wach bleiben und noch ein letztes Mal ein Auge auf die beeindruckenden Barron Falls und die schönen Aussichten werfen. In diesem Moment hoffe ich, dass unser neues Zuhause in Townsville genau so schön sein wird.

Als Mick und Lisa uns schrieben, dass sie uns vom Flughafen abholen werden dachte ich schon: „Wow!“ In Deutschland würde niemand auf die Idee kommen, AirBnB Mieter irgendwo abzuholen. Als unsere Vermieterin in Townsville (Peggy) sagte, sie könne uns aus Cairns abholen, da sie das Wochenende sowieso dort sein wird, dachte ich ebenfalls: „Wahnsinn!“ Als dann aber nochmal die Nachricht kam, dass sie auch im Norden von Cairns unterwegs sei und sie uns sogar direkt vor der Haustür in Stratford abholen würde, dachte ich wirklich: „Das gibt’s einfach nicht!“ Doch, gibt es und zwar in Australien! Peggy und Dave kamen mit ihrem blauen Pick-up und fuhren uns samt Gepäck von Haustür zu Haustür.

Unser neues Zuhause in Townsville

Auf dem Weg sahen wir zum ersten Mal das Meer in Australien. Wir aßen unsere ersten Meat Pies (yummiii) und wir fanden heraus, dass Peggy einen Tag vor Chris Geburtstag hat. Prompt wurden wir für nächstes Wochenende in ihr Beach Haus zur großen Geburtstagsparty eingeladen. Des Weiteren erzählte Dave, dass er gern an alten Autos und Motorrädern herum schraubt, die dann teilweise auch gefahren werden dürfen (Oh mein Gott!) Ob wir Lust haben nächstes Wochenende mit Cross-Maschinen am Strand herum zu heizen und ob Peggy für uns Thai Food vorbereiten dürfte, da ich erwähnte, dass ich es gern mag. Findet den Haken!!! Wir suchen und suchen ihn aber können ihn einfach nicht finden. Als wir dann abends bei Peggy, Dave und den Hunden Buddy und Jedah waren, gab es frisch gebrautes Bier von Dave – das macht er nämlich auch noch! So, fertig, jetzt seid ihr dran. Warum gibt’s sowas nicht in Deutschland? Wir lieben unser Zuhause in Townsville schon jetzt. Auf die weitere Entdeckung der Stadt, haben Vani und Christoph von »Reise durch Australien uns schon ordentlich Lust gemacht. 

Neues Zuhause in TownsvilleNun klingt unser erster Tag in Townsville auch bereits aus. Chris hatte einen tollen ersten Tag in der Uni und ich werde gefühlt auch nochmal zur Gast-Studentin. Morgen darf ich nämlich die Townsville-Tour und den Pub-Crawl mitmachen. Na da bin ich ja mal gespannt, ob ich mit den Studis mithalten kann.

Um nun wenigstens den ein oder anderen kritischen Punkt zu erwähnen und die in Deutschland Zurückgebliebenen nicht völlig depressiv zu machen: es regnet gerade! Scheinbar ist genau unsere erste Woche hier ein wenig regnerisch, das soll sich in den nächsten Tagen aber wieder ändern. Was mich außerdem nervt: die Australier laufen nicht! Es gibt nirgendwo Fußgängerwege und Ampeln. Alles ist nur darauf ausgelegt, überall mit dem Auto hin zu fahren. Da wir ein bisschen vom City Center entfernt wohnen und noch nicht mobil sind, ist es also ziemlich schwierig die ersten Dinge wie Sim Karten und Bank Accounts zu organisieren. Dave hat uns aber zwei Pushbikes versprochen und wird außerdem Vans, die wir auf Gumtree finden für uns durchchecken – so sparen wir uns den Mechaniker, der das sonst machen müsste. Wie ihr seht: was wirklich Negatives kann ich einfach nicht finden.

Viele Grüße aus unserem neuen Zuhause in Townsville

Eure Christina

»Ich bin Christina 

Schön, dass ihr mit mir nach Australien reist! Erlebt Down Under, seine Bewohner und ihre Geschichten durch meinen Blog. Profitiert vom Erfahrungswert meiner Australien-Experten und taucht ein, in die Schönheit des Roten Kontinents. 

2017-08-08T12:19:52+00:00

Leave A Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.