45 Grad Steigung, rechts ein Mix aus hübschen Queensländer Häusern und einfach gehaltenen Hütten, vor uns grauer Asphalt. Noch ein paar Meter, dann wissen wir, was uns nach dieser Steigung erwartet. Abwarten, abwarten, Atem anhalten und WOW. Vor uns entfaltet sich der Pazifik in voller Pracht und spült seine blauen Wellen an einen breiten Sandstrand: „Pretty nice, ey?“ Nein Dave, nicht nur „pretty nice“, this is amazing, magnificent, stunning!!!

Toomulla Beach

Wie bereits angekündigt, durften wir das Wochenende mit unseren Vermietern Peggy und Dave in ihrem Beach House verbringen. Dies liegt ca. 45 Minuten von Townsville entfernt am wunderschönen Toomulla Beach. Sie fahren hier so gut wie jedes Wochenende hin um die Seele baumeln zu lassen. Für mich ist dieser Ort ein riesiger Spielplatz für Erwachsene. Jeder hat hier Motorräder, Quads, Rennräder und mindestens zwei Hunde. Es wird am fahrbaren Untersatz geschraubt, an seiner Hütte herum gehämmert, man tauscht sich über die neuesten Frechheiten aus, die die Hunde kürzlich ausgeheckt haben und fragt, ob man sich nachmittags zum Off Road Abenteuer oder zum schwimmen am Creek trifft. Wir haben uns diesem Lebensstil am Wochenende ziemlich gut angepasst. Endlose Spaziergänge am Strand, verrückte Off Road Abenteuer durch den Busch danach Motorräder putzen, Bier trinken und grillen. So haben wir unsere Zeit zwischen Freitag und Sonntag verbracht.

Off Road Abenteuer in Toomulla

Für mich ist Toomulla Beach etwas besonders. Der Lebensstil, die Ruhe und das Gefühl, dass die Zeit einfach stehen geblieben ist. Im Beach House haben wir kein Internet – das kommt zwar, wenn man Richtung Strand läuft wieder aber während man abends am Campfire sitzt, hat niemand sein Handy in der Hand – herrlich! Außerdem ist Toomulla Beach der erste Strand in Australien, an dem wir ein wenig Zeit verbringen konnten. Seit unserer Ankunft waren wir eher im Dschungel als am Strand unterwegs. Dementsprechend wird Toomulla für mich immer etwas besonderes bleiben.

Australisches BBQ


„Everyone wonders why so many people have cancer – it’s because people take bad decision, like buying microwaves and phones. These things are toxic!“ Okay, ich kann jetzt nie wieder Essen in einer Mikrowelle aufwärmen und mein Handy war noch nie so oft im Flugmodus. Peggys Freundin Ulla hat eine sehr starke Meinung, wie ein gesunder Lebensstil auszusehen hat. Ich stimme ihr bei den meisten Dingen zu, allerdings fällt es mir immer schwerer der Konversation zu folgen, denn ich bin am verhungern! Es ist Peggys Geburtstag und es hieß, man treffe sich um 18 Uhr zum BBQ. Es ist nun 21 Uhr und es gibt keine Anzeichen dafür, dass heute irgendwann noch der Grill angemacht wird. Es haben sich drei Grüppchen gebildet, einige der Frauen mit den jungen Müttern und ihrer Babys in der Küche. Was machen sie dort? Der Ofen ist an, es wird geschnippelt und gequatscht. Ich sitze bei der zweiten Gruppe, die sich am Vorspeisen-Tisch versammelt hat.

Gott sei Dank gibt es hier ein paar Leckereien, sonst wäre ich vermutlich schon umgefallen. Wir haben extra den ganzen Tag nichts gegessen, damit wir um sechs unser erstes Känguruh-Steak genießen können. Gruppe drei sitzt mit Bierchen und meist lautstark lachend am Lagerfeuer.


Peggys Geburtstag in Toomulla

Niemand bewegt sich Richtung Grill. Chris schaut auch schon ziemlich ungeduldig und bedröppelt drein – okay ich muss jetzt nach dem BBQ fragen. „Yeah, Dave will probably start it soon and it will last till midnight for sure.“ Okay, das läuft hier also immer so. Erst in Ruhe versammeln, die neusten Neuigkeiten austauschen, zu Ende Vorbereiten und dann irgendwann wird der Grill angemacht.

 

Meine Erkenntnis →

Australische BBQ fangen spät an - auch wenn man sich früh trifft!

Gegen 21.30 Uhr gab es endlich was Gegrilltes. Auf eine große Versammlung am Tisch mit allen Gästen warteten wir aber trotzdem vergeblich. Die Gästeschar teilte sich nach wie vor in Grüppchen auf, mal saß man hier, mal stand man dort. Einen Moment, an dem alle gemeinsam ihr Essen genossen gab es nicht. Andere Länder, andere Sitten. Es war ein sehr lebendiger Geburtstagsabend mit sehr leckerem Essen und dem Übergang von Peggys zu Chris Geburtstag. Einen schöneren Sternenhimmel hat Chris beim Reinfeiern seines Geburtstages wohl noch nie zu Gesicht bekommen.

peggys_birthday

Off Road Abenteuer – ab in den Busch

Die kleine, gelbe Yamaha wollte für unser Off Road Abenteuer einfach nicht anspringen. Ich sehe sowas ja immer als Zeichen – wenn wir es zu lange versucht und sie auf Teufel komm raus zum Laufen hätten bringen wollen, wäre mir vermutlich irgendetwas passiert. Somit habe ich schnell gesagt, dass es für mich kein Problem wäre bei jemandem hinten drauf mit zu fahren, statt selbst durch den Busch zu heizen. Alles klar, ab auf Peggys Quad und los geht das Off Road Abenteuer! Mitten durch den Busch, vorbei an schönen Flussläufen, mitten durch riesige Pfützen, bei denen man nie genau weiß, wie tief sie eigentlich sind. Unsere knatternden Motoren durchschnitten das sonst so ruhige Toomulla. Chris blieb zwei Mal fast im Wasserloch stecken, schaffte es dann aber doch irgendwie wieder raus. Mein absolutes Highlight: der Moment, wenn nach all dem grünen Gestrüpp das blaue Meer vor einem zum Vorschein kommt. Das Gefühl, dann frei wie ein Vogel am ellenlangen und fast menschenleeren Strand entlang zu rasen, ist der absolute Hammer. Beim nächsten Mal hoffe ich dann doch, dass die kleinere Maschine anspringt. Chris hatte unendlich viel Spaß und auch als Beifahrer fühlte es sich grandios an.

Off Road Abenteuer am Strand

 

Während ich hinten auf dem Quad Probleme hatte richtigen Halt zu finden, gab es hinten auf der Yamaha ein anderes Problem. Der Auspuff war super heiß! Das hießt, ich hielt meine Beine so weit wie möglich weg vom Auspuff. Fährt man aber durch den Busch, kommt einem logischerweise links und rechts gern mal ein bisschen Grünzeug in den Weg. Heißt: links heißer Auspuff, rechts zerkratzte Beine. Ich entschied mich für zerkratzte Beine – die Verbrennung hätte mit ziemlicher Sicherheit mehr weh getan! So oder so lenkte mich die wunderschöne Umgebung genug ab um mich an den Büschen nicht weiter zu stören und unser Off Road Abenteuer zu genießen.

Es war einfach so, so schön! Der Adrenalin-Schub während der Bike-Touren, die endlose Ruhe am Strand und das knistern des Lagerfeuers, gepaart mit einem irrsinnigen Sternenhimmel am Abend. Wir hoffen noch das ein oder andere Mal mit zum Strandhaus kommen zu dürfen.

Zurück in Townsville – Sonnenuntergang auf Castle Hill

Das Tüpfelchen auf dem i lieferte dann noch der Sonntag Abend. Peggy und Dave wollten uns den Sonnenuntergang vom Castle Hill aus zeigen. Castle Hill ist ein Hügel in Townsville, der von seinem Gipfel aus einen grandiosen Blick über die Stadt liefert. Wir kamen genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Sonne verabschiedete sich als großer Feuerball von uns und tauchte Townsville in romantische Rottöne. Der perfekte Abschied von einem Wochenende, das mit Blick auf den blauen Ozean begann, uns durch ganz viel grünen Busch führte und letztlich mit der passende Farbe endete: der Rote Kontinent zeigte sich von seiner besten Seite.

Sonnenuntergang Castle Hill

»Ich bin Christina 

Schön, dass ihr mit mir nach Australien reist! Erlebt Down Under, seine Bewohner und ihre Geschichten durch meinen Blog. Profitiert vom Erfahrungswert meiner Australien-Experten und taucht ein, in die Schönheit des Roten Kontinents.