Meine allerliebste Romina. 6 Monate Au-Pair Aufenthalt in Perth geplant, 2 Jahre geblieben. So geht es wohl vielen, die sich dem Bann dieses wunderschönen Kontinents nicht mehr entziehen können. Romina sollte für das Tourismusmarketing von Western Australia arbeiten, durch sie könnte es tatsächlich passieren, dass Chris und ich unsere Reiseroute nochmal überdenken…

Wenn ihr längere Zeit in Australien seid, dürft ihr den Westen auf gar keinen Fall auslassen!

romina_australien_kings_parkKlare Aussage. Wo sich am Ende der Siedlung ein kleiner Dschungel auftut, man im Kings Park durch immergrüne Wiesen schlendert und die vor sich erscheinende Skyline von Perth mehr als irreal aussieht, möchte man nie mehr weg. Hinzu kommt der breite Swan River, der sich anmutig an die Stadt schmiegt und die weißen Sandstrände, die wegen ihrer Größe trotz der Citylage oft relativ menschenleer sind. Romina ist im Paradies angekommen – dieses Gefühl hatten auch Fränzi und Simon und haben die »Perth-Highlights wunderbar zusammengefasst.

Tja, wäre Romina nur nicht die unfassbar anstrengende Au-Pair Familie dazwischen gekommen, in der sie sich dann doch hin und wieder ein wenig versklavt gefühlt hat. Ihr Leben in Australien fing an kompliziert zu werden…

Als Au-Pair in Australien ist es nicht immer einfach!

Die Eltern hatten 3 kleine Kinder aber absolut keine Zeit für sie.

In Australien ist es anders als in Deutschland. Während es Zuhause eine Besonderheit ist, eine Familie mit Au-Pair zu treffen, ist es in Australien Gang und Gäbe dauerhaft ein Au-Pair in der Familie zu beschäftigen. Dumm nur, dass einige Eltern dies ausnutzen und die gesamte Erziehung ihrer Kinder auf das Au-Pair übertragen. Die Eltern in Romina’s Gastfamilie haben sich nach ihrer Familiengründung nochmal für einen höheren Bildungsweg entschieden. Somit schrieb der Vater trotz eines Fulltime-Jobs seinen PhD und die Mutter machte neben der Arbeit ihren Master. Wie viel Zeit für die 3 kleinen Kinder übrig blieb, kann man sich somit denken. Als Au-Pair in Australien sah ihr Alltag so aus: Sie wurde nicht nur zur Fulltime Ersatzmama sondern auch zur Köchin, Saftpresserin, Putzfrau, Hauslehrerin und Taxifahrerin. Sie fuhr die Kinder zum Fußball, ging zu Elternsprechtagen und sorgte dafür, dass die Kinder nicht mehr den ganzen Tag vorm TV hingen.

Zeit für Road Trips gab es kaum und wenn, stand mein Barometer auf Maximalgenuss. Ich habe alle Eindrücke aufgesogen wie ein Schwamm!

Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid, so war Romina froh, ihre Au-Pair-Leiden mit Carolin und Ines, zwei Mädels, die ebenfalls als Au-Pair in Australien arbeiten, teilen zu können. Irgendwie schafften sie es, alle drei für ein verlängertes Wochenende frei zu bekommen und machten sich auf in Richtung Süden. Bunbury war ihr erster Stopp – mit ca. 65.000 Einwohner ist es die zweitgrößte Stadt Westaustraliens. Romina musste an ihr kleines Kaff Ibbenbüren denken, in dem sie geboren wurde. Da gilt man fast als Landei und in Australien ist es eine verhältnismäßig große Stadt. Immer wieder faszinierend, sich vor Augen zu führen, wie wenig Einwohner dieser Kontinent wirklich hat.

Places of Love

1. Stopp Bunbury: Für Romina wird Bunbury wohl immer als die Stadt in Erinnerung bleiben, in der sie ihre ersten, wilden Känguruhs gesehen hat. „Du bist sowieso schon begeistert von der Ruhe, die der Ort ausstrahlt und dann hoppeln da auf einmal mehrere Känguruhs mit kleinen Skippies über die Wiese.“ romina_australien_skippyUm Romina war es geschehen. Dass sich ihre Begeisterung noch steigern konnte, mochte sie gar nicht glauben aber der nächste Halt versprach viel – was sollte man von einem Ort, der übersetzt „Place of Love“ heißt auch erwarten? Yallingup begeisterte das Reisetrio mit purer Einsamkeit und einer Landschaft, die ihnen den Atem verschlug. Tatsächlich ging es genau so weiter – Hamelin Bay, Augusta, Albany, Denmark. Orte, die so winzig sind, dass sie niemand, der sich nicht intensiver mit Australien beschäftigt kennt, bekamen auf diesem Trip einen ganz großen Platz in Rominas Herzen. Places of Love eben, Orte, in denen sich die Känguruhs die Hand reichen, der indische auf den pazifischen Ozean trifft (Augusta) und Felsen aussehen, wie versteinerte Elefanten (Denmark). Zwischen diesen Orten immer allgegenwärtig – die australische Weite.

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So faszinierend ich die einsamen, in roten Sand eingerahmten Straßen Australiens auch finde, sie lösten teilweise einen leichten Grusel-Effekt in mir aus. Vor allen Dingen, als sich plötzlich dicke Rauchschwaden über sie legten.

Australien ist der trockendste Kontinent der Welt und hat oft mit Waldbränden zu kämpfen. Die „Fire Danger“ Schilder stehen im Sommer oft auf „very high“ oder „extreme“. Da dies so häufig vorkommt, nimmt man die die Warnung oft gar nicht mehr bewusst wahr. romina_australien_fireEin großer Fehler, denn so bringt man sich definitiv in Gefahr! „Umkehren war keine Möglichkeit mehr, es sei denn wir wollten 100er Kilometer zurück fahren. Somit konnten wir nur hoffen, dass die Polizei die Straße schon sperren würde, wenn die Gefahr viel zu groß wird.“ Die drei Au-Pairs steuerten schnurstracks auf dicke Rauchschwaden zu, ohne zu wissen wie nah das Feuer wirklich sein würde. Die normalerweise ausgelassene Stimmung im Auto ging zu stiller Angespanntheit über. Heilfroh waren sie, als die nächste Kreuzung kam, auf der erkennbar wurde, dass eine Nebenstraße, die sie nicht einschlagen mussten wegen des Feuer gesperrt wurde. Die Hauptstraße blieb weiter passierbar. Nach einigen weiteren Kilometern wurde die Luft wieder klarer. Auch die gute alte Road-Trip Stimmung kehrte zurück. Alle waren froh, dem Feuer nicht noch näher gekommen zu sein. Eines ist nach dieser Erfahrung keiner der Dreien während ihres Leben in Australien mehr passiert: „Fire Danger“ Schilder wurden immer ernst genommen!

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Nun hatte mich das Reisefieber gepackt, meine Gastfamilie agierte allerdings sehr erfolgreich als fiebersenkendes Mittel.

Zurück im Au-Pair-Alltag fiel es Romina immer schwerer, sich ausschließlich auf den Familienalltag zu konzentrieren. Sie war doch nicht nur in Australien, um sich um Kinder zu kümmern, deren Eltern zu beschäftigt waren. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen. Zumindest einen Tagestrip konnte sie sich erkämpfen. Bald musste eine Lösung her, das war ihr klar aber auf den Sanddünen in Lancelin den Frust abzubauen, war auch erstmal ein kleiner Schritt. Nur etwa 100 km nördlich von Perth, gibt es die Möglichkeit zum Sand-Boarding. Auf den Fotos sieht es aus, als hätten die Snowboarder den Verstand verloren – barfuß im Schnee unterwegs?! Nein – es ist tatsächlich Sand. Wie viel Energie es kostet bei der Hitze immer wieder die Düne mit dem Board hinauf zu rennen, um sich dann wieder der kurzen Abfahrt zu widmen, kann man sich nur zu gut vorstellen. „Es hat so viel Spaß gemacht, ich fühlte mich endlich wieder frei wie ein Vogel!“

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Von schneeweißen Sanddünen mit tiefblauem Meer im Hintergrund zu ockerfarbener Wüste, gespickt mit dunkelgrünem Buschland – so ein Farbspiel innerhalb weniger Kilometer. Das geht wohl nur in Australien.

Nur eine knappe Stunde ging es von Lancelin aus weiter nach Norden und die Au-Pair Crew fand sich in einer außerirdisch anmutenden Umgebung wieder. Sie standen mitten im Nambung-Nationalpark und bewunderten die sogenannten Pinnacles. Sebastian von „Off the Path“hat das sehr schön »in Bewegtbild festgehaltenPinnacles sind Kalksteinsäulen, die wie Türmchen aus dem ockerfarbenen Sand empor stoßen. Hunderte stehen eng beieinander und sorgen so für eine bizarr aussehende Landschaft. Romina wollte weiter in den Norden, immer an der Küste entlang, wo es doch noch so viel zu entdecken gab. Doch zunächst musste sie die Situation mit der Gastfamilie klären.

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Ein Ausraster des Vaters, nahm mir die Entscheidung ab ob ich bleiben soll oder nicht. So endete mein erster Job als Au-Pair in Australien.

In einer Nacht- und Nebelaktion entschied Romina, dass sie keinen weiteren Tag bei der Gastfamilie bleiben kann. Am Vorabend war sie mit einer Gruppe Freunden ausgegangen. Sie kam – wohlgemerkt an ihrem freien Abend – gegen 0 Uhr nachts zurück. Der Gastvater hatte beobachtet, wie sie von einem männlichen Begleiter zurück gebracht wurde. Statt sie ruhig zu fragen, mit welchem Mann sie unterwegs war (er war lediglich ein Freund), funkelte er sie mit aggressiven, dunklen Augen an. Was folgte, war ein Wutausbruch, den sie so noch bei keinem Menschen erlebt hatte. „Diesen Blick, wie er mich voller Verachtung ansah werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen!“ Romina war völlig aufgelöst und ließ sich am nächsten Morgen von der verständnisvollen Gastmutter zum nächstbesten Hostel fahren.

Frei sein, hinfahren wo ich will, wann ich will und mit wem ich will – das war erstmal alles, was ich wollte!

Trotz sozialem Netzwerk in Perth, zog es Romina erstmal raus aus der Stadt und rauf auf die Straße! Im Hostel traf sie eine reiselustige Backpackerin. Sie mieteten sich einen Kleinwagen und machten sich auf den Weg. Zum einen um die Westküste zu erkunden, zum anderen um sich selbst zu finden. Es zog sie von Kalbarri über die Shark Bay und Carnarvon bis zum Ningaloo Reef.

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Vor allem letzteres überraschte sie. „Ich dachte das Ningaloo Reef wäre nur die kleine Schwester des weltbekannten Great Barrier Reef und somit vielleicht etwas unspektakulärer. Da hab‘ ich mich aber sehr getäuscht!“ Romina würde jedem uneinschränkt ans Herz legen, das Ningaloo Reef zu besuchen. Während das Great Barrier Reef mit dem hohen Touristenansturm und der daraus resultierenden verheerenden Korallenbleiche zu kämpfen hat, befindet sich das Ningaloo Reef noch in seinem natürlichen Zustand. Bunte Korallen, wuselnde Fischschwärme, Riffhaie – Schnorchlern fallen fast die Augen aus dem Kopf vor lauter bunter Schönheit!

Aufbruch zum Road-Trip – bitte nicht unüberlegt und unvorbereitet! 

Wo einem die scharfsinnigen Augen des Emus aus dem Busch angucken und man die rote, staubige Piste nicht passieren kann, weil es sich ein Waran in der Sonne gemütlich gemacht hat, da scheint die Welt noch in Ordnung zu sein! Der Schein mag allerdings ein bisschen trügen denn: Romina hat sich ja nicht gerade in stabiler, mentaler Verfassung und in wahnsinnig strukturierter Art und Weise auf den Weg gemacht, sondern eher aus einer emotionalen, überstürzten Laune heraus. Dass das nach hinten losgehen kann, merkte sie an mehreren Stellen.
Bei den Erkundungstouren durch die australische Natur, sollte man immer dabei haben: Sonnencreme, Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Wanderschuhe und Wasser.
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Romina hatte dabei: eine Sonnenbrille. Immerhin! Das Gelände ist uneben und die australische Sonne sehr viel stärker als in Europa. Diese Kombination macht es ziemlich beschwerlich sich mit Flip Flops mitten in der Hitze durch unebenes Gelände zu quälen. Das Resultat: schmerzende Füße und Sonnenbrand! Wenn man es richtig übertreibt, kann man sogar dehydrieren, wenn man kein Wasser mit auf seine Wanderungen nimmt. Deshalb: so stark der Drang nach Freiheit auch sein mag. Bitte bereitet euch zumindest ein wenig auf euren Trip vor! Unvorbereitet zu starten kann nämlich noch ganz andere Konsequenzen haben…

Zwei Frauen allein mit City-Flitzer im Outback liegen geblieben – und nun?

Irgendwo zwischen Carnarvon und Coral Bay machte es „PEEEENG“. Da die Straßen immer unebener wurden und Romina sich nur einen Kleinwagen gemietet hatte, gaben die Reifen langsam nach. Kein Wunder! Nun gab es ein paar essentielle Probleme: Weder Romina noch ihre Begleiterin wussten, wie man einen Reifen wechselt. PengAuch hatten sie nicht genug Wasser oder Proviant dabei, um sich gegebenenfalls eine Weile über Wasser halten zu können denn: sie befanden sich mitten im Nirgendwo! Also nochmal: unvorbereitet loszufahren ist ein fataler Fehler! Gott sei Dank hatten sie bei der letzten Tankstelle Bescheid gegeben, dass sie allein im Outback unterwegs sind. In abgelegenen Gegenden läuft es oft so, dass man an den Tankstellen Bescheid geben kann, wenn man ins Outback rein und auch wieder raus fährt. Die Tankstellenbesitzer tauschen sich dann über Funk aus. So ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass jemand im Outback ganz verloren geht. Trotzdem kann man sich nicht darauf verlassen, dass in absehbarer Zeit die Rettung kommt. Da saßen sie nun, neben ihrem defekten Auto. Allein mit sich, der australischen Natur und unendlicher Weite. Nun hatten sie mehr als genug Zeit zu sich selbst zu finden.

Es war eine sehr befreiende Erfahrung und in dem Moment genau was ich brauchte aber bei meinen folgenden Road-Trips, habe ich etwas mehr Wert auf die Vorbereitung gelegt.

Sie hatten Glück, nach nur einigen Stunden kam ihr Retter, wechselte den Reifen und wies sie an, ohne Umwege in die nächste Werkstatt zu fahren. Sie sind mit dem Schrecken davon gekommen. Das war nun schon die zweite Situation, in der sie die australische Natur unterschätzt hat. romina_australien_cottesloeEtwas Gutes hatte die chaotischen Erfahrungen allerdings doch – ihr Kopf war frei. In den Hostels hatte sie abends Zeit nach neuen Au-Pair Stellen Ausschau zu halten und hatte Erfolg. Durch ein Skype-Interview kam sie an eine tolle Familie in Cottesloe, einem schönen Bezirk im Westen von Perth. Sie wohnte direkt am Strand, hatte faire Arbeitszeiten und ihr eigenes Ferienhäuschen, auf der Weinfarm der Familie in Margaret River, auf der die Familie am Wochenende viel Zeit verbrachte. So sollte ein Au-Pair in Australien arbeiten! Rückblickend ist sie froh über den Ausraster ihres ehemaligen Gastvaters: „Ich glaube sonst wäre ich noch viel länger bei der Familie geblieben – einfach weil ich dachte ich muss es durchziehen.“

Rominas Road-Trip und Au-Pair Ratschläge

…als Au-Pair in Australien fühlt man sich immer verpflichtet. Verpflichtet der Familie gegenüber, den Kindern gegenüber und sich selbst möchte man auch beweisen, dass man einen guten Job macht. Man schließt die Kinder ins Herz und auch wenn die Arbeitsbedingungen schlecht sind denkt man, man müsse es durchziehen. Macht das nicht! Ein Au-Pair hat das Recht auf Freiraum und ein eigenes Privatleben. Wenn euch das nicht gewährt wird, sucht euch eine neue Familie. Ihr wollt die Zeit in Australien doch auch genießen und nicht nur arbeiten. Es gibt genug tolle Familien in Australien, die auf der Suche nach einem Au-Pair sind.

…nehmt euch Zeit für die Westküste. Sie ist so unberührt und unfassbar schön! Natürlich ist an der Ostküste mehr los aber wer auch mal zur Ruhe kommen will und die Wildnis Australiens spüren möchte, fährt in den Westen. Ich würde auch jedem empfehlen das Ningaloo statt des Great Barrier Reefs zu besuchen.

…bitte unterschätzt die australische Natur nicht. Weder sollte man Warnzeichen zur Waldbrandgefahr noch die Entfernungen zwischen den Orten auf die leichte Schulter nehmen. Ich hatte wirklich viel Glück – wer im Outback liegen bleibt, kann wirklcih tagelang auf Rettung warten. Deshalb gilt im Outback: an jeder Tankstelle Bescheid geben, was euer nächsten Ziel ist und gut vorbereitet mit genügend Wasser und einem Benzinkanister losfahren.

2017-08-08T12:18:05+00:00

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