Wir haben es getan, uns gehört nun ein Van!!! Von unserem Camping Trip an den Jourama Falls kamen wir allerdings mit einigen Blessuren wieder…

Van vom Schrottplatz?

Rost, abgefahrene Reifen, eingeschlagene Scheiben. Wir befinden uns auf einer Art Autofriedhof, unser Vermieter David liebt es hier. Alle möglichen Schätzchen lassen sich hier finden. Da Dave leidenschaftlich gern an Autos herum schraubt, kann ich mir gut vorstellen, dass er hier das ein oder andere nützliche Teil findet – aber was machen wir hier?

„Sometimes they have Vans here too.“

Okay, wir sollen unseren Van-Kauf auf einem Schrottplatz erledigen??

Sämtliche Horror-Geschichten von Backpackern, dessen Vans schon nach ein paar hundert Kilometern den Geist aufgegeben haben, kamen mir in den Kopf. Naja, wenigstens würden wir nicht erst ein Vermögen ausgeben, um dann festzustellen, dass der Motor kaputt ist. Der höchste Preis, den ich bisher gesehen habe betrug$1000.

Wir biegen um die nächste Ecke und siehe da, zwei Vans stehen direkt vor unseren Augen. Ein Exemplar in lila, eins in weiß. Weiter geht die Van-Inspektion. Wir werden langsam Experten für den potenziellen Van-Kauf – wir haben uns nämlich bestimmt schon zehn angeschaut. Alle hatten das gleiche Problem: Rost. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Vans hier nicht auch verrostet sind. Sie sehen jedenfalls so aus, als stünden sie schon eine Weile hier.

Van macht Lust auf Jourama Falls

„This one looks like a really, really good bargain!“

Wow, tatsächlich hat der Ford nur zwei winzige Roststellen und die könnte David entfernen, da sie nicht komplett durch’s Dach gehen. Wir schreiben uns die Telefonnummer des Besitzers auf und vereinbaren den Van am nächsten Tag Probe zu fahren.

Van-Kauf: Wir haben’s getan!


$650 – Motor funktioniert, Batterie funktioniert, kein Rost, zwei gute Vorderreifen, die Hinterreifen bekommen wir dazu geschenkt. Wow! Was soll man da noch groß gegen sagen? Selbst wenn wir jetzt noch $2000 investieren würden, wäre er günstiger als die meisten anderen Vans, die wir uns bisher angeschaut haben. Plus: das hier ist der erste Campervan, von dem David wirklich überzeug ist und er ist derjenige, der wirklich Ahnung hat! Tja, long story short:

Wir haben ihn gekauft!!! Völlig verrückt, WIR HABEN EINEN VAN!!!!

Van-Kauf - wir haben es getan

Falls ihr jetzt denkt, es kommen einige meiner gut gemeinten Tipps – diesmal zum Thema Van-Kauf. Nein! Ich muss ganz ehrlich sagen, dass wir in diesem Fall einfach wahnsinnig viel Glück hatten, dass Dave uns hier so viel geholfen hat. Er weiß einfach, worauf man achten muss. 

 

  • Ein geübter Blick ins Innere des Fahrzeugs
  • Ein prüfender Blick auf’s Dach des Gefährtes
  • Konzentriertes Zuhören beim Sound des Motors.

Einen Van für $3500 hätten wir ohne Dave sicherlich gekauft. Geringe Kilometer-Zahl, scheinbar guter Zustand. Nur David hat gesehen, dass jemand versucht hat das rostige Dach über zu lackieren. Unerfahrene Reisende wie wir, hätten den Van vermutlich einfach gekauft. Ich kann euch also wirklich nur raten, extrem wachsam beim Van-Kauf zu sein!

Warten auf Zertifikat, Registrierung und Versicherung

Jetzt können wir es kaum erwarten, endlich loszufahren und Queensland zu entdecken. Dafür braucht der Van allerdings ein „Roadworthy“ Zertifikat sowie eine Registrierung. Bis dahin müssen wir noch Kleinigkeiten wie das Rücklicht austauschen und die neuen Hinterreifen drauf ziehen. Also Geduld, Geduld, bald kann es losgehen! Bis dahin versüßen wir uns die Zeit z.B. mit einem Mietwagen.

Arbeit nach dem Van-Kauf

Wanderung zu den Jourama Falls


Zu acht machen wir uns auf den Weg zu den Jourama Falls. Luen ist der einzige Australier unter uns, kennt sich aber als gebürtiger Townsviller extrem gut in Queensland aus. Er möchte uns seinen Lieblingsplatz in Queensland zeigen und uns mit zu den Jourama Falls nehmen. Gesagt getan. Noch kurz gefragt, ob es okay wäre in Shorts zu wandern: jaja, kein Problem sagt er, wir werden höchstens ein paar Kratzer abbekommen. Super.

Gruppe Jourama Falls

Wer braucht schon Sicherheits-Zäune?

Die ersten 15 Minuten folgen wir einem angenehmen Track. Ich hatte kurz die Hoffnung, dass dies so bleiben wird und es nicht ausartet wie letzte Woche aber, da kannte ich Luen schlecht! Kurz die Aussicht auf dem Lookout genießen. Da gaaaanz oben sehen wir die beeindruckenden Wasserfälle – und bis dahin sollen wir jetzt wandern! Wow! Das Ausmaß der Wanderung wird mir langsam bewusst. Richtig bewusst wird es mir nach fünf weiteren Minuten. Wir verlassen den Track, lassen den Sicherheitszaun hinter uns und befinden uns direkt inmitten von wuchernden Grashalmen und Farnen, die oftmals meinen Kopf überragen.

Meine Bitte →

Denkt nicht, ihr könntet einfach so zu den Wasserfällen hoch wandern. Macht das bitte niemals ohne einen erfahrenen Wanderer, der die Strecke kennt!

Zwischendurch stoppen wir, da wieder jemand von grünen Waldameisen übersät ist oder sich an einem abgestorbenen Ast festhalten wollte, diesen aber dann plötzlich in der Hand hielt. So krachselten und ächzten wir von Fels zu Fels, kletterten und stöhnten, bis wir ungefähr die Mitte der Strecke erreichten.

Auf halben Weg zu den Jourama Falls

© Kirsten Schwarz

Verschnaufspause

Schon hier werden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Rechts von uns die Jourama Falls, geradeaus die unendlichen, grünen Wälder von Queensland, die ich »auf dem Weg nach Kuranda schon so bewundert habe. Gott sei Dank weht uns ein frischer Wind um die Nase, ansonsten wären wir wieder nass geschwitzt. Schnell noch ein paar Fotos geschossen und schon geht’s weiter. Wir wollen ja schließlich noch ganz hoch hinaus!

Foto an den Jourama Falls

Oben auf den Jourama Falls


Wunderschön! Völlig fertig aber über’s ganze Gesicht strahlend kommen wir oben an. Die Wasserfälle rauschen unter uns in die Tiefe. Vor uns befinden sich einige Rock-Pools, die zum herein springen einladen. Den Satz habe ich kaum zu Ende gedacht, da springt Luen auch schon ins eiskalte Wasser. Ich bin noch unschlüssig, ob ich mich das auch trauen werde und sauge erstmal diese unbegreifliche Kulisse in mir auf.

Unbegreiflich schön

Manchmal, wenn ich an Orten wie diesen bin habe ich das Gefühl, ich kann in dem Moment gar nicht fassen, dass ich wirklich gerade hier bin. Es fühlt sich manchmal so unwirklich an. Während ich dann diese Zeilen schreibe, am Video arbeite und die Fotos auswerte, wird mir dann erst richtig klar, dass ich das wirklich bin, die all dies gerade erleben darf. Ich denke, das ist der Vorteil, wenn man nochmal reist nachdem man den Arbeitsalltag schon kennengelernt hat. Da weiß man das noch mehr zu schätzen, als wenn man als junge Studentin unterwegs ist.

Jourama Falls

Der Sprung ins kalte Wasser

Gruppenzwang hat ja manchmal auch etwas Gutes an sich. Alle ließen langsam die Hüllen fallen und standen zumindest schonmal sehr mutig in Badeklamotten auf der Klippe. Na gut, am Killymoon Creek habe ich mich nicht getraut, jetzt wird’s mal Zeit. Schnell ziehe ich mich um und komme gerade passend, als Anna und Kirsten zusammen ins sehr kühle Nass springen wollten. Ich reihe mich ein und habe somit nicht viel Zeit zu überlegen, denn da wurde schon gezählt:

1, 2, 3 PLATSCH! Aiii, es ist wirklich ar***kalt!!!!

Sprung in die Jourama Falls

© Ricardo Wolf

Der ganze Körper kribbelt. Ich klettere so schnell ich kann wieder den Felsen hoch und muss feststellen, dass mir gar nicht kalt ist. Zumindest nicht die ersten Minuten nachdem ich aus dem Wasser komme. Sehr gut, also direkt wieder rein. Diesmal springt die ganze Gruppe – nur Rohit hat den Anpfiff nicht ganz mitbekommen. Also springen wir zu 7. ins Wasser. Geteilte Kälte, ist halbe Kälte…ne, nicht wirklich. Langsam ist mein Körper doch sehr ausgekühlt also schnell wieder trockene Klamotten anziehen!

Schwimmen in den Jourama Falls

Rückweg mit Hindernissen


Auf dem Rückweg habe ich etwas Pech. Erst bleibe ich an einer Liane hängen, die mich auf die Knie zwingt. Autsch, das tat richtig weh. Ich bin noch mit dem Versuch beschäftigt, das schmerzende Knie zu ignorieren, da haut es mich völlig unerwartet nach hinten. Ich weiß nicht was es ausgelöst hat aber offenbar bin ich genau neben einen von Gras überwucherten Felsen getreten und falle mit voller Wucht auf den Boden.

Kurz bleibt mir der Atem weg.

Danach kommt nur noch Geheule. Ich bin wirklich niemand, der schnell weint aber da schossen die Tränen einfach aus meinen Augen. Oh Gott, tat das weh!!! Ich frage mich immer noch, wie Chris so schnell bei mir sein konnte, er war ein ganzes Stück vor mir. Mich schreien zu hören hat ihn aber offenbar in Windeseile zurückeilen lassen. Er versucht mich zu beruhigen und bringt mich dazu ruhig zu atmen. Nach fünf Minuten lässt der schlimmste Schmerz erstmal nach und ich komme wieder etwas zu mir. Dann ist es mir direkt peinlich, die Gruppe so lange warten zu lassen. Alle fragen besorgt nach meinem Befinden. Naja, es wird schon gehen!

Rückweg Jourama Falls

Zurück im Camp sind wir am verhungern! Alle stürzen sich auf den ESKY (die australische Kühltruhe). Erstmal ein kühles Bierchen genießen und dann schnell zum Barbie (so nennen die Australier den Grill). Es läuft immer so ab, dass jeder etwas mitbringt. Im Normalfall hat man am Ende dann immer zu viel. Wir hatten also quasi ein Festmahl.

Anna und Luen kennen sich schon etwas besser in Sachen Camping aus und hatten entsprechende Lampen und Kerzen gegen Mücken bei. Logisch, dass es im Nationalpark – in dem befanden wir uns nämlich – kein Licht gibt. Irgendwie habe ich darüber nicht nachgedacht, ich dachte auf Campingplätzen muss es auch Licht geben. Tja, so lernt man täglich etwas dazu.

Und weil’s so schön war: nochmal zu den Jourama Falls


Nein, wir sind natürlich nicht wieder ganz nach oben gewandert. Diesmal wollten wir eigentlich ganz entspannt in den Rockpools schwimmen. Wir fanden aber immer wieder vielversprechendere Pools, bis wir gefühlt wieder die Hälfte der Wasserfälle hoch geklettert sind.

Ich konnte einfach nicht mehr.

Mir tat alles weh und auf dem Felsen, auf dem wir uns befanden fühlte ich mich wie die Königin der Welt. So eine Aussicht hat man nicht alle Tage! Ich hatte das Gefühl in den Wasserfällen zu sitzen, denn alles was ich hörte war das laute Rauschen der Jourama Falls. Die anderen kletterten noch ein Stückchen weiter aber ich entschied auf meinem Felsen zu bleiben. Chris – ganz Gentlemanlike – blieb bei mir, obwohl ich ihm gesagt habe, er soll zu den anderen gehen.

Tag 2 an den Jourama Falls

So genossen wir unseren Nachmittag. Im Camp gab es dann ein weiteres Festmahl, da vom Vortag so viel übrig geblieben war, bevor wir uns auf den Nachhause-Weg begaben. Ein kurzer Stop bei Frosty Mango (eine sehr bekannte aber auch sehr überteuerte Eisdiele). Zuhause angekommen hieß es: Wunden lecken.

Chris auf den Jourama Falls

Wer ist eigentlich Daggy?

Wir sind so happy über unseren Van-Kauf! Endlich hat die Suche ein Ende und die vorgenommen Wochenend-Trips rücken ein Stück näher. Chris hat den Van übrigens liebevoll Daggy genannt. Das ist ein Mix aus Dave und Peggy, denn ohne die zwei hätten wir unseren lila Flitzer niemals gefunden. Die Jourama Falls waren auch ein absolutes Highlight. Schaut unbedingt das Video, es ist sehr schwer solche Touren in Worte zu fassen. 

Diese Woche ist wettertechnisch etwas schwierig. Außerdem tun mir viele Bewegungen weh, weshalb ich es sehr ruhig angehen lassen werde. Das Cultural Festival, was diese Woche stattfindet, werden wir uns aber wohl nicht entgehen lassen. Für nächstes Wochenende gibt es auch schon wieder Pläne. Bleibt auf dem Laufenden!

Ich schicke euch alles Liebe nach Deutschland

Eure Christina

»Ich bin Christina 

Schön, dass ihr mit mir nach Australien reist! Erlebt Down Under, seine Bewohner und ihre Geschichten durch meinen Blog. Profitiert vom Erfahrungswert meiner Australien-Experten und taucht ein, in die Schönheit des Roten Kontinents. 

2017-08-08T12:24:31+00:00

3 Comments

  1. Luen 27. April 2017 at 17:47 - Reply

    I love it! Great memories and such a great place to hike to. Well done and looking forward to our next adventure.

    • On Brink 30. April 2017 at 12:40 - Reply

      Thank youuuu for showing us this amazing place! Looking forward to our next adventure too…maybe hiking through meters of snow in Germany?? 😉

  2. […] ganz unbegründet. Wir hatten bisher mit unserer Hauptinvestition Glück. Wir haben einen  super günstigen Van erstanden. Vieles von der Ausstattung wurde uns sogar geschenkt (so viel zum Thema super freundliche […]

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