Als »FIELFALT – das wunderbare Blogazine für Female Empowerment – zur Blogparade aufrief und ich das Thema »#WagEs las, dachte ich: „Ja, diesen Sommer habe ich es gewagt!“ Mir war klar, dass ich gern einen Beitrag zur Blogparade beisteuern würde. Anfangs habe ich allerdings mit mir gerungen – FIELFALT stellt regelmäßig starke Frauen vor, die etwas erschaffen haben, Gründerinnen, Innovationskünstlerinnen, starke Frauen eben. „Da gehöre ich nicht zu“, dachte ich mir und legte die Beitragsidee erstmal wieder auf Eis.

Dennoch blieb es in meinem Hinterkopf. Ich las mir den Aufruf zur Blogparade immer wieder durch, FIELFALT sei auf der Suche nach: „Erfahrungsberichten, Meinungen und Tipps zum Thema Selbstverwirklichung bzw. einfach das zu tun, was Dich im Moment oder langfristig glücklich macht!“  Dazu kann ich doch meinen Beitrag leisten, dachte ich mir. Denn ich habe etwas gewagt, was mich einfach in diesem Moment und ich wette auch längerfristig wahnsinnig glücklich macht.

Glückliches Leben in Berlin

Vernünftig bezahlter Job in Berlin. Unbefristeter Arbeitsvertrag. Annehmbare Arbeitszeiten und faire Chefs. Kleine Altbauwohnung in Berlin Charlottenburg. Tolles soziales Umfeld, Freund. Hobbies, die mir Spaß machen.  Ich hatte alles! Dennoch: irgendetwas fehlte und es dauerte gar nicht all zu lang, bis ich herausfand was.

Wag es in Berlin

Seit meinem Abitur, möchte ich für ein Jahr ins Ausland gehen, ohne in einem festgezurrten Programm zu stecken. „Du warst vier Jahre lang, ausschließlich im Ausland unterwegs, was fehlt dir denn noch“, waren zum Beispiel die Worte meiner Mutter. Ja, mein Studium zog sich über vier Jahre, in denen ich in vier Ländern gelebt und in noch mehr Ländern für Field Trips etc. unterwegs war. Es war grandios! Dennoch: mein eigenes Ding, konnte ich da nie durchziehen. Alles gehörte zum Studium, ich musste Dokumentationen schreiben, Hausarbeiten anfertigen, recherchieren, analysieren, abliefern. Durch meine Masterarbeit bin ich an meinen Arbeitgeber gekommen und somit nahtlos vom Studium in den Job gerutscht. Ein Traum, den viele haben, das weiß ich und ich war auch sehr dankbar.

Nach zwei Jahren war diese erste Euphorie aber verflogen. Wag es auszubrechenDer Alltag nagte an mir. Die Zeit glitt mir durch die Finger, jeder Tag war ähnlich, jede Woche sah gleich aus. Als der befristete Arbeitsvertrag auslief und ich den unbefristeten in den Händen hielt dachte ich: „Wow, darauf arbeiten immer alle hin – ich habe einen sicheren Arbeitsplatz.“ Also ging es so weiter: ich arbeitete, ging montags zum Zumba, dienstags zum Klavierunterricht, mittwochs zum Body Jam, traf mich Donnerstags mit Freunden und machte am Wochenende meist kleine Trips. Traumhaft aber ich wagte es kaum es auszusprechen: Ich war einfach nicht glücklich!

Ich will niemanden enttäuschen!

Social Media hilft nicht gerade, wenn man einen Traum vor Augen hat, ihn sich aber nicht traut zu verwirklichen. Social Media sorgt nämlich dafür, dass man mitbekommt, wie andere ihn verwirklichen. Da waren sie: die Weltenbummler. Heute Indonesien, nächste Woche die Philippinen und plötzlich waren sie auf den Fidschis. Ich will das auch! Ich kann doch aber nicht alles, was ich mir jetzt aufgebaut habe, wieder kaputt machen. Wie soll ich meiner Familie, die mich beim Studium so stark unterstütz hat jetzt erklären, dass ich nach zwei Jahren Arbeitsleben wieder raus in die Welt will? Wie soll ich meiner Chefin, die mir immer wieder Chancen zur Weiterentwicklung gegeben hat sagen, dass ich jetzt doch nicht bleiben will? Das kann ich nicht machen!

Wag es durch die Tür zu gehen


So strichen die Monate ins Land. Meine liebsten vor Ort hielten mich über Wasser, Dienstreisen bestätigten, dass ich so einen Job nicht aufgeben will, Urlaube zeigten, dass ich glücklich sein sollte, mir Reisen leisten zu können. Währenddessen las ich mehr und mehr Blogs von Menschen, die es doch gewagt haben. Sie ließen ihren Alltag hinter sich. Sie schafften es, aus dem Hamsterrad zu springen. Aber woher nahmen sie ihren Mut? Außerdem: wenn sie den Mut haben und glücklich mit ihrer Entscheidung sind, wieso könnte ich es nicht auch schaffen?

#WagEs

Es war wohl die Kombination aus steigendem Frust, viel Inspiration aus der Bloggerwelt und der glücklichen Fügung, dass mein Freund die Möglichkeit für ein Auslandssemester bekam. Wag esNach 3,5 Jahren im Büroalltag hatte ich den Mut kundzutun, dass ich noch nicht bereit bin einen 9-to-5 Alltag für den Rest meines Lebens zu akzeptieren. Es gab Kritik – es gab aber auch viel Zuspruch. Da ich Tourismusmanagement studiert habe, ticken viele meiner Freunde genau wie ich und haben entweder auch schonmal gekündigt, um nochmal zu reisen oder konnten den Gedanken vollkommen nachvollziehen. Sogar meine Chefin reagierte verständnisvoll!

Nach einiger Recherchearbeit stellte sich heraus, dass ich mich auch nicht gleich dazu entscheiden muss, die Zelte in Berlin komplett abzubrechen. Eine Wohnung lässt sich schließlich untervermieten, Verträge einfrieren und mein soziales Umfeld wird sich ja hoffentlich nicht innerhalb eines Jahres geschlossen dazu entscheiden, Berlin zu verlassen. Nur den Job, den war ich endgültig los.

Veränderungen – die schwierigen, kleinen Biester!

Es fühlte sich so, so gut an! Meine Freunde mussten sich keine Leidenstiraden über meinen Alltag mehr anhören, sondern blickten einer freudig erregten Christina entgegen. Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit nach dem großen „Coming-Out“ blieb mir und schon jetzt stellte ich fest, dass es die richtige Entscheidung war. Ich frage mich, was mich so lange daran gehindert hat, den Sprung zu wagen. Ich habe schließlich Tourismus studiert und mein Lebenslauf ist vorbildlich. Niemand wird sich an einem Jahr Work & Travel stören. Was hielt mich so lange zurück? War es wirklich nur die Angst, jemanden zu enttäuschen?

Wag es zu springen

Ich glaube mittlerweile, dass es eher die Angst vor Veränderungen war. Sobald man sich etwas aufgebaut hat, was mehr oder weniger funktioniert, hat man Angst, es beim selbst gewählten Verlust dessen eventuell zu bereuen. Was, wenn ich finanzielle Probleme bekomme? Was, wenn’s mir im Ausland gar nicht gefällt? Werde ich jemals wieder einen so guten Job finden? Werde ich Klavierspielen dann wieder komplett verlernen? Kann ich meinen Vertrag für’s Fitnessstudio eigentlich wirklich kündigen? Darf ich meine Wohnung überhaupt untervermieten und wo bleibe ich dann mit meinen Klamotten? Wenn ich sie im Keller lagere, werden sie sicherlich alle feucht und ich kann meinen gesamten Hausstand nach einem Jahr weg schmeißen. Es ist so viel Aufwand, ich muss zur Versicherung, zur Agentur für Arbeit, ich muss mich um Flüge kümmern, Anzeigen für die Wohnung online stellen. Will ich das alles wirklich machen?

Die Frage ist →

Ist mir meine Freiheit, meine Zeit zu Reisen den Aufwand wert?

Selbstverwirklichung

Ich bin jetzt seit drei Wochen in Australien und ich merke, wie sehr ich diesen Auslandsaufenthalt gebraucht habe. Ich habe Zeit zum denken, zum herum probieren. Ich kann kreativ sein, überlegen was ich mit meinem Leben anstellen will. Ich entscheide, was als nächstes passiert. Ich entdecke täglich neue Orte, mache wöchentlich Dinge, die ich vorher nie getan habe. Ist es nicht genau das, was das Leben ausmacht? Ist es nicht irgendwie ironisch, dass wir, die in Deutschland lebenden jungen Menschen, die vermutlich privilegiertesten dieser Welt sind. Wir können mit unserem Leben anfangen was wir wollen, uns steht die Welt offen und dennoch gibt es so wenige, die ihre Träume verwirklichen und so viele, die nach Schema F leben. Klar, wir müssen auch irgendwie „über die Runden kommen“ aber heißt das, dass ich für den Rest meines Lebens im Hamsterrad laufen muss?

Off Road Abenteuer am Strand

 

Wag es, quer zu denken. Wag es zu widersprechen. Wag es, deinen eigenen Weg zu gehen. Wag es, zuzugeben dass du unglücklich bist und wag es, dein Glück zu finden. Ich habe es auch getan!

 

“When I was 5 years old, my mom always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‚happy‘. They told me I didn’t understand the assignment and I told them they didn’t understand life.” (Unknown)

 

»Ich bin Christina 

Schön, dass ihr mit mir durch meine Gedankenwelt reist! Es würde mich freuen, wenn ihr auch Lust habt, mit mir durch Australien zu reisen. Viel Spaß auf meinem Blog!

2017-05-24T09:08:21+00:00

6 Comments

  1. Theresa 8. August 2016 at 15:14 - Reply

    Liebe Christina,
    wie schön, dass du es gewagt hast, an der Blogparade teilzunehmen, denn so bin ich auf deinen tollen Blog und deine spannende Geschichte gestoßen! Es ist so toll und inspirierend, dass du dich entschieden hast, deinen festen Arbeitsplatz aufzugeben, noch einmal loszuziehen und deine Reise hier mit der Welt zu teilen. Vielen Dank dafür und alles erdenklich Gute dir auf deinem Weg!
    Liebe Grüße aus Berlin
    Theresa

    • On Brink 9. August 2016 at 15:17 - Reply

      Vielen Dank, Theresa! Worte wie deine tun immer ganz besonders gut! Ganz liebe Grüße in die Heimat

  2. Chris 3. September 2016 at 2:27 - Reply

    Hallo Christina,

    ich denke auch, dass du (entgegen aller inneren und äußeren Widerstände) die richtige Entscheidung getroffen hast! Ich muss das allerdings auch sagen, denn schließlich mache ich es ja genau so 😉

    Zumindest würdest du es bestimmt in einigen Jahrzehnten bereuen, wenn du es nicht gemacht hättest. Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß in Australien und sende liebe Grüße aus Guatemala! Chris

    • On Brink 3. September 2016 at 2:45 - Reply

      Lieber Chris,

      danke für deine lieben Worte! Ich sehe es genauso, auch wenn wir uns mit Kritik herum schlagen müssen – wir sind diejenigen, die am Ende glücklich sind und sich nicht vorwerfen müssen, etwas nicht gewagt zu haben!

      Ganz liebe Grüße,
      Christina

  3. Alexandra 20. November 2016 at 14:21 - Reply

    Liebe Christina,
    über die Blogging University FB Gruppe habe ich dich gefunden und bin begeistert – ganz toll, was du machst!! Ich habe in naher Zukunft ähnliches vor – ich werde im März nach Bali gehen, um dort eine Yogalehrer Ausbildung zu machen und dann im Herbst für 9 Monate nach Neuseeland. Geschichten wie deine sind unglaublich ermutigend und bestärkend – danke für´s Teilen, weiterhin eine gute Reise & alles Liebe, Alexandra
    P.S. besonders die Tatsache, dass du mit Koffer reist, finde ich spannend – habe innerlich auch so einen dumpfen Verdacht, dass ich und Rucksack unter Umständen nicht 100% kompatibel sind;)

    • On Brink 21. November 2016 at 5:09 - Reply

      Hallo Alexandra,

      vielen Dank, ich freue mich immer sehr, wenn mein Blog gefällt. Na dann hast du ja eine spannende Zeit vor dir, ich werde dich verfolgen 😉 Haha ja, auch mit dem Koffer kommt man gut rum!

      Viele Grüße,
      Christina

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