Es ist immer wieder das Gleiche: egal ob einfacher Urlaub oder Langzeitreise. Die Vorfreude sprudelt quasi aus einem heraus, sämtliche Shopping-Vorschläge von Google werden durch Anzeigen für günstige Flüge ersetzt und man selbst hat das Gefühl, Körper und Kopf befinden sich an zwei unterschiedlichen Orten. So geht es mir schon seit einiger Zeit. Physisch sitze ich im Büro und gehe relativ maschinell meinen alltäglichen Aufgaben nach. Meine Gedankenwelt befindet sich aber bereits Down Under. Die Vorfreude steigert sich ins unendliche, wie schön wäre es, nach Ablauf des Reise-Countdowns einfach vom Büro in den Flieger zu springen und alles wäre schick. Schwierig. Sehr schwierig!

Ich kann nicht einfach so für 14 Monate das Land verlassen (und vielleicht sogar länger), ohne zu wissen, dass Zuhause alles geregelt ist. So fängt es dann an, das Vorbereitungs-Gewusel. Ich wusste gar nicht so richtig, worum ich mich als erstes kümmern soll, deshalb habe ich meine Gedanken in drei Gebiete der Reisevorbereitung aufgeteilt:

  • 1. Berliner Angelegenheiten klären

  • 2. Australische Vorbereitungen und Dokumente

  • 3. Technik

Sieht simpel aus aber tatsächlich hat mir diese Aufteilung geholfen, bzw. hilft mir immer noch, den Überblick zu behalten. Gern gehe ich meinen – nun fast abgeschlossenen Prozess – mit euch durch und hoffe, dass er auch für euch hilfreich sein wird. Wenn ihr noch keinen Reisepass habt und auch keine Kreditkarte, solltet ihr diese Punkte an Platz 1 setzen. Da ich viel reise, musste ich mich um diese Dinge nicht kümmern. Gleiches gilt für Impfungen.

Los geht’s heute mit Teil 1 der Reisevorbereitung, die anderen beiden Teile werde ich in den nächsten Wochen in 2 weiteren Blogbeiträgen behandeln.

1. Berliner Angelegenheiten klären

Job kündigen

Das für mich schwierigste stand direkt an erster vorbereitung_australien_kuendigungStelle: Gespräch mit der Chefin. Nun ist es bei mir nicht so wie bei vielen anderen, die ihren Alltag hinter sich lassen. Ich hasse meinen Job und meine alltägliche Umgebung nicht aufs tiefste und kann es kaum erwarten, der Chefin die Kündigung vor die Füße zu knallen. Es war nur einfach nicht mehr der richtige Job für mich und ich sehnte mich nach einer neuen Herausforderung. An sich mag ich mein Team und auch meine Chefin war immer sehr fair. Gott sei Dank stand Ende 2015 sowieso ein Mitarbeitergespräch an, so konnte ich das Gespräch zu meiner getroffenen Entscheidung nicht weit vor mir her schieben.

Mein Tipp →

sprecht ganz offen und so früh wie möglich mit euren Vorgesetzten!

Bei mir lief es so gut, dass ich es immer wieder genau so machen würde. Ich habe ihr gesagt, dass es mich einfach wieder ins Ausland zieht (da ich im Ausland studiert habe und nur für den Job zurück nach Deutschland kam, war ihr meine Leidenschaft für’s Reisen bewusst). Es gab in meinem Fall die Chance, meine Position innerhalb des Unternehmens zu ändern und ein Aufgabengebiet zu übernehmen, was mir mehr Spaß gemacht hätte. Das hat mir meine finale Entscheidung nicht gerade leichter gemacht aber für mich stand trotzdem fest, dass ich für das Büroleben nicht gemacht bin. Meine Chefin hat die Beweggründe für meine Kündigung verstanden und mich sehr dafür gelobt, dass ich mich so früh gemeldet habe. So kann sie die Suche nach einer Nachfolge stressfrei gestalten.

Untermieterin finden

Da ich eine eigene, voll ausgestattete Wohnung habe, war es mir sehr wichtig, eine passende Untermieterin zu finden. Ich habe meine Wohnung lediglich bei »WG-gesucht online gestellt. Unkompliziert, kostenfrei und übersichtlich.

Mein Tipp →

stellt eure Wohnung so früh wie möglich online!

Der Vorteil ist, dass die Meisten relativ spontan unterwegs sind und nicht Monate im Vorausvorbereitung_australien_wg-gesucht eine Wohnung suchen. Auf diese Weise werdet ihr nur von den Leuten angeschrieben, die wirklich weit im Voraus planen und sehr genau wissen, was sie wollen. In Berlin wird man im Normalfall mit Anfragen überhäuft. Dadurch, dass ich Anfang des Jahres bereits eine Untermieterin für Juli gesucht habe, bekam ich nur um die 10 Anfragen. 3 habe ich eingeladen und eine davon ist es geworden. So spart man sich den Stress, aus Hunderten von Interessierten filtern zu müssen und hat kurz vor der Abreise den Kopf frei für andere Vorbereitungen.

Wie sichere ich meinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1?

Dieser Punkt ist wohl der nervigste und auch der, der mich am meisten gestresst hat. Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei »Carina sowie »Ania und Daniel bedanken, die den Ablauf, was bei einer Langzeitreise beim Arbeitsamt geklärt werden muss so verständlich erklärt haben, dass ich mich an deren Erzählungen entlang gehangelt habe. Nach meinen persönlichen Erfahrungen fasse ich die wichtigsten Erkenntnisse nochmal kurz für euch zusammen und füge eine ganz wichtige Sache, die ich so deutlich online noch nicht gefunden habe hinzu.

Erstmal: meldet euch arbeitslos, auch wenn ihr noch nicht genau wisst, wann ihr wiederkommen werdet! Ich will gar nicht groß ausholen, dazu gibt es genug Informationen online, es ist auf jeden Fall wichtig, sich in Deutschland zu melden. So bekommt ihr versicherungstechnisch keine Probleme und könnt nach eurer Rückkehr Arbeitslosengeld 1 beziehen.
vorbereitung_australien_arbeitsagentur

»Registriert euch bei der Bundesagentur für Arbeit online auf der Jobbörse. Es wird euch nach einigen Tagen ein Pin zugeschickt, mit dem ihr euer Benutzerkonto freischalten könnt, dies könnt ihr unter „Meine Daten – Benutzerkonto freischalten“ erledigen. Danach geht ihr in eurem Benutzerkonto auf „Startseite“ und klickt auf „Meine persönlichen Daten – Arbeitssuchend melden“. Hier braucht ihr nur die erste Seite auszufüllen und schreibt unten im Kommentarfeld, dass ihr euch arbeitslos melden möchtet, euch dann aber aufgrund einer Fernreise direkt wieder abmelden möchtet. Schreibt ruhig, dass ihr euch lediglich euren Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 sichern wollt, damit wird niemand Probleme haben (so wurde es mir zumindest am Telefon von einer Mitarbeiterin der Arbeitsagentur gesagt und es hat sich auch bewahrheitet).  Diesen ersten Bogen mit eurem Kommentar schickt ihr ab. Dann bekommt ihr eine Mail, in der gesagt wird, dass sich in den nächsten drei Tagen ein Mitarbeiter melden wird.

Direkt am nächsten Tag hatte ich eine Dame am Telefon, die die ganzen Informationen (wo habe ich studiert, welchen Abschluss habe ich, etc.) erfragt hat. Das Gespräch dauerte ca. 10 Minuten – besser als den sehr detaillierten Bogen, in dem man sogar Schulnoten etc. angeben soll auszufüllen. Man kann übrigens Zeiten angeben, an denen man angerufen werden möchte – diese sind allerdings völlig irrelevant, sie rufen an wann sie wollen. Ich wurde kein einziges Mal zu meiner angegebenen Uhrzeit angerufen.

GANZ, GANZ WICHTIG →

Egal ob ihr kündigt oder gekündigt werdet:

Ihr dürft am 1. Tag eurer Arbeitslosigkeit noch NICHT im Ausland sein!
Dieser kleine Punkt hat bei mir alles durcheinander gewirbelt. Mein Plan war nämlich, mich einfach kündigen zu lassen und zwar zum 31.07. aber bereits ab dem 12.07. in Australien zu sein (möglich durch Urlaub bzw. Überstunden). So hätte ich Ende Juli noch ganz angenehm ein Monatsgehalt überwiesen bekommen. Wenn ihr länger als 12 Monate reisen wollte ist das allerdings ein ganz, ganz blöder Plan!!
 

Also nochmal: man muss am ersten Tag seiner Arbeitslosigkeit in Deutschland sein! Die Beamten rechnen nämlich folgendermaßen: am ersten Tag der Arbeitslosigkeit werden 24 Monate zurück gerechnet. Wurde in diesen 2 Jahren 12 Monate am Stück versicherungspflichtig gearbeitet, hat man Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. Ist dies nicht der Fall, hat man keinen Anspruch. Seid ihr am 1. Tag eurer Arbeitslosigkeit NICHT in Deutschland, wart ihr zu keinem Zeitpunkt für den Deutschen Arbeitsmarkt verfügbar und könnt euch nicht als arbeitssuchend melden. Somit würden sie erst bei eurer Rückkehr 24 Monate zurück rechnen. Bei mir sah das dann so aus: wenn ich planmäßig im September 2017 wieder komme, schauen sie sich den Zeitraum von September 2015 bis September 2017 an. Versicherungspflichtig in Deutschland gearbeitet hätte ich in der Zeit aber lediglich von September 2015 bis Juli 2016. Somit wäre mein Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 versiegt und ich wäre direkt ins Harz lV gerutscht. Uncool!

Nachdem all das geklärt war, vergingen ca. 4 Wochen bis ich wieder Post bekam. Sie schickten mir eine Arbeitsbescheinigung, die vom Arbeitgeber unterschrieben werden muss. Hier galt es wieder einiges auszufüllen. Diese gepaart mit meiner Kündigung und dem noch fehlenden Versicherungsnachweis konnte ich dann bestens vorbereitet meine persönliche Vorsprache antreten.

Ich habe ca. 15 Minuten bei der Agentur für Arbeit verbracht. Die Beraterin sagte, ich hätte zwei Dinge richtig gemacht: 1. habe ich alles im Voraus online eingereicht und 2. bin ich früh zur persönlichen Vorsprache erschienen (8.30 Uhr morgens). So blieben mir viel Stress und lange Wartezeiten erspart und bin tatsächlich mit einem positiven Eindruck aus der Agentur für Arbeit wieder heraus gekommen. Damit hätte ich niemals gerechnet!

Noch Fragen? →

Rein damit, in die Kommentare!

Im nächsten Teil werden wir uns mit den Vorbereitungen, die wir für Australien bereits treffen können beschäftigen. Wo habe ich meinen Flug gebucht, wo bin ich versichert, welche Dokumente sind wichtig und habe ich in Australien bereits eine Wohnung?

»Ich bin Christina 

Schön, dass ihr mit mir nach Australien reist! Erlebt Down Under, seine Bewohner und ihre Geschichten durch meinen Blog. Profitiert vom Erfahrungswert meiner Australien-Experten und taucht ein, in die Schönheit des Roten Kontinents. 

2017-08-08T12:18:18+00:00

11 Comments

  1. Maria 23. Januar 2017 at 23:20 - Reply

    Hallo Christina stehe genau vor dem gleichen Problem mit der Kündigung… Mein Vertrag geht noch bis 31.3 , ich fliege aber schon am 1.3…
    Wie hast du das Problem gelöst?
    Deine Kündigung nochmal vorgezogen?
    Oder einfach nach vor Ablauf der 12 Monate zurück?

    Lg

    • On Brink 24. Januar 2017 at 4:05 - Reply

      Hallo Maria,

      ich habe meine Kündigung vorgezogen und auf das zusätzliche Monatsgehalt im Juli verzichtet. Da ich länger als 12 Monate unterwegs sein werde, war das die einzige Lösung. Ich denke es ist besser auf ein Gehalt zu verzichten dann aber sicher zu sein, Arbeitslosengeld 1 zu bekommen sobald man zurück ist.

      Ich wünsche dir Viel Erfolg mit dem Papierkrams und dann eine tolle Reise 🙂

      LG Christina

  2. Mary 28. Februar 2017 at 21:27 - Reply

    Liebe Christina, vielen Dank für den hilfreichen Beitrag. Ich hab jetzt auch meine Kündigung vorgezogen auf 15. April 2017. Normalerweise hatte ich den Plan am1. Mai zu fliegen und zum 30. April zu kündigen mit Resturlaub. lg Mary

    • On Brink 1. März 2017 at 4:06 - Reply

      Sehr gern liebe Mary, ich freue mich, wenn ich helfen konnte! Hab eine grandiose Reise und wenn du noch Fragen hast, kontaktiere mich gern. LG Christina

  3. Tali 24. April 2017 at 17:24 - Reply

    Hallo Christina,

    Danke das du dir so viel Mühe gibst und das leidige Thema Kündigung und co erläuterst…
    Mein Problem ist ähnlich, wir fliegen am 8.7 und mit Überstunden/Urlaubstagen würde ich auch den Juli noch komplett voll bekommen.
    Doch dann wäre ja der erste Tag als Arbeitssuchende erst am 01.08, wo wir also schon weg sind.
    Allerdings kehren wir nach etwa 6 Monaten wieder zurück, weißt du ob das dann trotzdem ein Problem mit dem ALG1 gibt?

    Vielen lieben Dank schonmal….
    Tali

    • On Brink 25. April 2017 at 9:17 - Reply

      Hi,

      sehr gern, freue mich immer wenn ich anderen, die in der gleichen Situation sind weiterhelfen kann. Ich kann nicht zu 100% sagen, ob du deinen Anspruch auf ALG1 nach 6 Monaten NICHT verlieren würdest. Ich glaube tatsächlich, dass du ihn in dem Fall nicht verlieren würdest aber um sicher zu gehen, registriere dich doch einfach schonmal online bei der Agentur für Arbeit, wie in meinem Beitrag beschrieben. Dann wirst du sowieso nach ein paar Tagen einen Anruf bekommen und da kannst du genau die Frage stellen. Dann hast du eine sichere Antwort.

      Ich wünsche dir viel Erfolg und einen tolle Reise!

      Liebe Grüße,
      Christina

  4. Tali 25. April 2017 at 12:15 - Reply

    Hi Christina,

    Danke für die schnelle Antwort, das werde ich machen 🙂

  5. Achim 11. Oktober 2017 at 7:50 - Reply

    Hi Christina,
    kannst du mir sagen wie du es mit der Krankenkasse geregelt hast ?

    LIebe Grüße,
    Achim

  6. David 15. April 2018 at 13:21 - Reply

    Hi Christina,

    tolle Übersicht.
    Eine Frage: Wenn man die letzten 24 Monate sozialversicherungspfichtig beschäftigt war und dann „nur“ 6 Monate reicht – dann kann man doch theoretisch erst nach der Reise zum Amt, oder? Die würden dann auf 18 Monate sozialversicherungspflichte Arbeit zurückschauen.

    Oder hat das irgendwelche Nachteile? Wie wird die Sperrfrist hier gehandhabt?

    • On Brink 7. August 2018 at 13:25 - Reply

      Lieber David,
      bitte entschuldige, wie du gemerkt hast bin ich im Moment nicht mehr aktiv hier. Bin zurück im Arbeitsleben und dementsprechend muss ich den Blog im Moment vernachlässigen. Du hast dich vermutlich mittlerweile informiert aber ich würde zur Sicherheit immer vorher zum Amt gehen. Habe viele kuriose Geschichten gehört und dementsprechend würde ich mich vorher immer absichern. Kostet dich vielleicht eine Stunde aber so kannst du mit ruhigem Gewissen und ohne „böse Überraschungen“ verreisen.
      LG Christina

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